Eine Biblische Baumschutzsatzung

Eine Baumschutzsatzung ist ein bewährtes Instrument alltäglicher Umweltpolitik im menschlichen Siedlungsraum. Erst wenn sie fehlt, merken Menschen, Tiere und Bäume, wie wichtig sie ist. Ja, auch die Bäume selbst merken das. Über ihre Fähigkeiten, aktiv auf Umweltbedingungen zu reagieren, erfahren wir laufend aufregende Neuigkeiten.

Die protokollarischen Notizen über die Erschaffung der Bäume in den beiden biblischen Schöpfungsgeschichten – die Sieben-Tage-Geschichte und die ganz andere vom Garten Eden – kommen mir vor, wie eine erste Baumschutzsatzung, vom Schöpfer selbst in Kraft gesetzt.
Formuliert ist diese Baumschutzsatzung aus dem Blickwinkel derer, deren Wohl vom Gedeihen der Bäume abhängt. Wortreicher fällt das Kapitel „Kulturbäume“ aus, also all dessen, was Obst trägt, was Genussmittel, wie den Wein hervorbringt oder Grundnahrungsmittel, wie der Olivenbaum. Sie alle, das widerspricht unserem Schulwissen, sind nicht etwa das Ergebnis der züchterischen Arbeit einer endlosen Kette von Bauerngenerationen, sondern – in der Zählung der Sieben-Tage-Geschichte – perfekte Geschenke des dritten Schöpfungstages; nicht anders als ein frisch geschlüpftes Küken, dem es bestimmt ist, zur tüchtigen Glucke heran zu wachsen. Keinen Tag soll die Menschheit auf Erden leben müssen, ohne die Segnungen und die Freuden der Kulturbäume. Jede Amsel müsste sich nach diesem göttlichen Catering darüber im Klaren sein, dass sie eigentlich in fremdem Revier wildert, wenn sie über den Kirschbaum herfällt. Am Ende wird es der Rabbi nicht so eng sehen, aber grundsätzlich gilt bei Kulturbäumen der Besitzanspruch des Menschen.
Die Verteidigung der Ernte auf dem Baum gehört denn auch zu klassischen Kindespflichten in vielen Bauernkulturen. Affen haben nun mal auf einem Kakaobaum nichts zu suchen, um nur ein Beispiel zu nennen.
Das andere Hauptkapitel der biblischen Baumschutzsatzung klingt sachlicher, ist knapper formuliert, weniger enthusiastisch, weniger gefühlsbetont als das Kapitel über die Fruchtbäume. Aber es ist klar umrissen und einem Nutznießer zugewiesen. Alle nach unserem Verständnis nicht kultivierten, naturbelassenen Bäume sind Lebensraum und Lebensgrundlage der Tierwelt. Ihr Blattwerk ist Nahrung. Ihre Astwerk ist Wohnung und Schutz. Die Bäume ergänzen die natürlichen Weideflächen der Wild- und der Nutztiere. Jedem Töchterchen Israels ist geläufig, dass die Grasfresser es nicht bei dem Halmen belassen. Ziegen und Schafe stellen sich auch auf die Hinterbeine und fressen das Blattwerk ab, so weit sie den Hals recken können.
In einer Art Resumée der göttlichen Arbeitswoche wird dieses Nutzungsrecht der pflanzenfressenden Tierwelt am irdischen Baumbestand noch einmal bestätigt. Alles was Blätter hat, steht den Blätterfressern auch zu(1.Mose 1, 30).
Die Erzählung von der Rolle der Bäume in der Schöpfung lässt keinen Zweifel daran, dass die Welt der nicht kultivierten Bäume genauso so Schöpferwerk ist, wie die wortreich bewunderten Obstbäume. Kein Subunternehmer, kein Gärtnergehilfe hat diese Arbeit gemacht. Der Schöpfer selber war auch hier am Werk. Wie auch anders? Im Psalm 104,16 bleibt dem Dichter angesichts der Zedernwälder des Libanongebirges förmlich der Mund offen stehen: „Die Bäume des Herrn stehen voll im Saft. Die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat – und die Reiher wohnen in den Wipfeln.“ Diese Bewunderung hat die Zedernwälder nicht vor der Abholzung gerettet. Dafür war der Rohstoff Holz einfach zu begehrt. Auch der Bauherr Salomo hat sich sein Kontingent Libanonzedern für den Tempel in Jerusalem besorgt. Die Beschaffung war nicht ganz einfach. Aber am Ende hatte er das beste Holz, das der mediterrane Markt bot. Die Lichtungen im Norden waren wieder größer geworden. Und irgend wann mussten die letzten Reiher umziehen.

Aber das war schon damals der knallharte Markt. Die liebevolle und schöpfungsgerechte Schöpfungsordnung des Anfangs wollte den baumabhängigen Tieren mehr als ein Almosen oder ein kümmerliches Asyl zuteilen: die ganze andere Hälfte jenseits der Bauernkultur sollte ihr Erbe sein. Das Gottesvolk sollte auch außerhalb seiner Weinberge und Olivenhaine die Lebensordnung seines Gottes entdecken, verstehen und lieben können.

Da wir Durchschnittsmenschen nach wie vor große Schwierigkeiten haben, Stimme und Sprache der Bäume direkt zu verstehen, kommt uns die Baumschutzsatzung der Schöpfungsgeschichten einen großen Schritt entgegen: sie würdigt die Unentbehrlichkeit der Bäume aus der Perspektive derer, die auf sie angewiesen sind: der Menschen selbst und des Heeres ihrer tierischen Mitgeschöpfe.
Diese Mitgeschöpfe, von der Biene, über das Opfer-Lamm bis zum oben zitierten Reiher im Wipfel der längst abgeholzten Libanonzeder, stehen uns aus tausendundeinem biologischen und emotionalen Grund noch um einiges näher, als der ergreifendste Baum, beginnend bei ihrer Mobilität. In einer der, wie ich es empfinde, humorvollsten biblischen Szenen, versucht der Schöpfer in der Garten-Eden-Geschichte, dem arg vereinsamten gerade erst ins Leben gerufen Menschen ein Tier seiner Wahl als Lebenskumpan schmackhaft zu machen. Aber auf dem Catwalk des Lebens findet sich nichts Rechtes. Erst dann kommt die Aktion mit der Rippe – und aus dem indifferenten Menschen werden Mann und Frau. Erst der Zusammenhang der beiden Versuche zur Paarbildung lässt die Genialität der alten Sinnerzählung aufleuchten. Charles Darwin müsste eigentlich seine helle Freude an ihr gehabt haben.
So wahr Schimpansin Judy dem einsamen Menschen immerhin als potentieller Kumpan präsentiert worden ist, so wahr ist gemäß der Weltsicht der Schöpfungsgeschichten ihr gottgegebener Anspruch auf ihr afrikanisches Waldbiotop. Ob und wieviel Tropenholz legal oder illegal ihrem Clan unter den Füßen weg geholzt wird, ist weder allein eine Frage des Marktes, unserer Konsumwünsche oder allein der ökologischen Vernunft. Die immerwährende Nachbarschaft zwischen menschlicher Zivilisation und Wirtschaft hier und dem Lebensrecht und den Grundbedürfnissen unserer tierischen allernächsten Verwandtschaft dort, ist von Beginn an menschlichem Gutdünken entzogen.

Mit wenigen Bildsätzen proklamiert die Glaubensgemeinschaft des alten Israel so etwas wie eine Magna Charta der Tierwelt und ihrer Bäume. In der Schöpfungschronologie besitzen sie das ältere Grundrecht, verglichen mit den Nutzungsrechten der Menschen an den Bäumen in ihrem bäuerlichen Lebensraum.
Die Magna Charta zugunsten der baumlebenden und baumnutzenden Tierwelt kennt keinen Vorbehalt, keine Kündigungsklausel seitens des Menschen. Das hat schon in der biblischen und mediterranen Antike weder den Libanon, noch den Balkan noch den Apennin vor Kahlschlag bewahrt. Auch in der folgenden menschlichen Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte haben sich wohl kaum je Stimmen erhoben, die germanische oder nordamerikanische Primärwälder als gottgewollten Lebensraum der Tierwelt erhalten wollten. Im Gegenteil, die frommen Mönche Ottos des Großen haben, nicht anders als die Pilgerväter in der Neuen Welt, ihre Äxte geschwungen im Bewusstsein, dass sie unter höherem Beistand Licht ins Dunkel bringen würden. Dutzende von stolzen kleinen Orten in Mitteldeutschland tragen bis heute ohne Skrupel die Silbe -roda, Rodung als Teil ihres Namens
Ich muss diesen Axt schwingenden Ahnen nicht einmal unterstellen, dass sie ihre neuen Welten gerodet haben, geleitet von einem hochmütigen Verständnis ihrer selbst, ihres Arbeitsauftrages. In derselben Schöpfungsgeschichte, in der eine Magna Charta der Bäume entdecke, heißt es ja in Lutherdeutsch und heute unzählige male in polemischer Absicht zitiert: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan…!“
Ein Gottes-Wort, das in dieser nicht nach rechts oder links blickenden Fassung eine sehr ungute Wirkungsgeschichte im Zeitalter der globalen Rohstoffmärkte und der Agroindustrie entfaltet hat.
Eine Wiedergabe desselben hebräischen Satzes in modernem Englisch ist in seiner Schlichtheit lebensnäher und ehrlicher: Statt „Macht euch die Erde untertan,“ heißt es da:“Habt viele Kinder, so dass sie überall auf Erden leben und bringt die Erde unter Kontrolle.“ Zivilisatorische Erschließung und Gefahrenabwehr im menschlichen Lebensraum sind gewiss um kräftige Nuancen erträglicher für die Gemeinschaft alles Lebendigen, als gewaltbereite Herrschaft. Die moderne englische Version wählt dann für den Umgang mit den Tieren – und logischer weise mit ihren Lebensräumen, die Bäume inbegriffen, das Verb „to put in charge of“, sinngemäß „Verantwortung übertragen“. Ich, sagt Gott, übertrage euch die Verantwortung für Fische, Vögel, Vieh und alle kleinen Tiere! Verantwortung ist die Bedingung für die Bändigung von Willkür. Unter den genannten vier Tier-Kategorien ist keine, bei der nicht Bäume ins Spiel kämen. Wer´s nicht glauben mag, denke bei den Fischen nur an die profitgeile Vernichtung der Mangrovenwälder rund um den irdischen Tropengürtel.
Den Bäumen als Erbteil und Lebensgrundlage der Tierwelt, abzüglich Homo sapiens, ist es trotz ihrer Zweckbestimmung so brutal und global an die Kronen gegangen, dass die verheerenden Folgen längst die Zukunft der Neun-Milliarden-Menschheit in Frage stellen. Eine einzige Stunde Internet-Recherche liefert jedem Zeitgenossen, der es wirklich wissen will, die grundlegenden Fakten.
Die Baumschutzsatzung am Anfang der Bibel erweist sich als zwingender, lebensnotwendiger, als auf den ersten Blick zu vermuten: der Wald der Tiere ist, wie wir längst wissen, auch ein Wald zum Wohl des Menschen. Nein, nicht nur für sein Seelenleben, seine Märchen und Träume. Nein, zum Erhalt seiner elementaren physischen, biologischen Lebensgrundlagen. Wären wir da nicht besser damit gefahren, die Gottesstimme hätte sich bei ihrem Aufteilungsbeschluss etwas deutlicher, mitteilsamer geäußert? Schließlich hätte dieser Gott das vitale Eigeninteresse seiner Menschen an den Bäumen der Tiere nachdrücklicher wach kitzeln können.
Zweifel sind am Platze. Wer die Stimme eines Gottes, aller nicht unbedingt marktfreundlichen Götter, in den Wind schlägt, der wird sich auch von dem, was wir inzwischen Generationen-Gerechtigkeit nennen, nicht übermäßig beeindrucken lassen.
Kahlschlag bleibt das Mittel der Wahl, solange ich mich an die Fata Morgana vom Bio-Diesel-Schlaraffenland klammere; solange ich von dem Soja-gepäppelten Rindersteak zum Schnäppchenpreis nicht lassen will.
Nur sage niemand – Schöpfungsgeschichten und Klimaforschung zusammengenommen – er habe nicht gewusst, dass unsere Kahlschlag-Wirtschaft seit spätestens zwei Generationen Russisch-Roulett mit der Schöpfung spielt. Und bei dieser Variante der dekadenten Sitte steckt in mindestens drei von vier Revolverkammern eine Kugel.
Verantwortung festmachen für die globale Vernichtung der Baumheimat der Tiere ist das eine. Umkehr zum zukunftsfähigen Leben das andere. Trotz der mittlerweile unerlässlichen Notbremsung, bei der inzwischen jedes einzelne Jahr zählt, taugt die Angst höchstens als sehr vorübergehender Zuchtmeister.
Auf die Dauer helfen auch diesmal nur Liebe und Vorbild, wie denn das ganze Schöpfungsdrama als Liebesgeschichte daher kommt. Wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr, bekennt der Volksmund. Ähnlich unwiderstehlich und unvorhersehbar der Entschluss des biblischen Gottes, mit dem Menschen etwas anzufangen; ihn dazu mit Himmel und Erde und einer ganzen Welt voll wundersamer naher und nächster Verwandter auszustatten; es ihm und der Verwandtschaft an nichts fehlen zu lassen. Die Schöpfungsidee der Bäume samt Osmose und dem Leben stiftenden Tauschgeschäft Kohlendioxid gegen Sauerstoff ist ein besonderer Knaller in diesem Feuerwerk von Ideen, wie sie die Liebe zu Tage fördert. Der Grundentwurf Baum steht, für Mensch und Tier gleichermaßen Maß geschneidert; Aberbillionen mal in der Geschichte des Lebens nachgezogen. Die Extras für menschlichen Obst- und Ölbauern, bzw. für sammelwütige Eichhörnchen und Eichelhäher sind gemessen am Grundentwurf eher zu vernachlässigen.
So gut wie alle Kinder finden Eichhörnchen liebens-würdig. Und auch die Baumwirtschaft eines Eichelhähers wird schnell ihre Phantasie beflügeln. Die Kinder anderer Völker lernen andere bewundernswerte Baumbewohner kennen: bunte Aras am Amazonas, australische Koalas, nordamerikanische Weißkopf-Seeadler auf atemberaubenden Horstbäumen, sibirische Iltisse, afrikanische Meerkatzen. Ich selber muss mich entscheiden zwischen dem Maikäferparadies im münsterländischen Mischwald meiner Nachkriegskindheit und der freien Gorillafamilie im ostafrikanischen Nationalpark, der ich einen unvergesslichen Tag lang in ihrem Bergwald auf Armlänge zusehen durfte. Heute, 2015, hängt über ihrem unersetzbaren Lebensraum immer noch das Damoklesschwert geplanter Probebohrungen nach Öl.
Darum brauchen all diese Liebesbeziehungen zwischen Menschen, Tieren und Bäumen zu ihrer Bewahrung des Schutzes durch gutes Recht. Das ist nicht weniger nötig und genau so wenig ehrenrührig, wie das Recht, das die Beziehungen zwischen einander liebenden Menschen umgibt und stützt.
Auch eine Baumschutzsatzung tut der Liebe keinen Abbruch. Wie denn auch? Sie bewahrt freilich den schwächeren Teil der Beziehung vor den Folgen des Scheiterns. Der mächtige Baum mag kerngesund 25, 30 Meter in die Höhe ragen, ohne den Schutz des Rechts kann er aus nichtigem Grund heute, morgen in einer deutschen Gemeinde umgehauen werden, weil man stolz darauf ist, ohne eine Baumschutzsatzung für privaten Grund auszukommen. Und wo man stolz das Recht auf kurzen Prozess exekutiert, finden die Flüchtlingsmassen vom Specht bis zur Ameise nicht einmal mehr Erwähnung. Sie alle haben nach der Weltsicht der Schöpfungsgeschichte einen gottesrechtlichen Anspruch auf Nahrung und artgemäße Geborgenheit.

Die Baumschutzsatzung der Schöpfung macht uns zu Weltbürgern. Was im Heimatdorf anfängt, hört erst auf auf der anderen Seite der Erde; dort, wo z.B. illegaler Kahlschlag für Palmölplantagen auf Borneo, heute Kalimantan, dazu führt, dass völlig desorientierte Orang-Utans sich an den Plantagenbäumen festkrallen. Schließlich werden sie herunter geknallt, als seien sie Geiselnehmer mit gezogener Waffe. Dem Vernehmen nach bedienen sich die Wilderer zu ihrer Entschuldigung tatsächlich einer Sprache, die die „Waldmenschen – indonesisch Orang-Utans“ in die Nähe gemeingefährlicher Verbrecher rückt.
Im niederländischen Zoo von Arnheim sah ich einmal eine zimmergroße Montage aus tierischen Präparaten, die die Lebensgemeinschaft des Orang-Utan-Waldes abbilden sollte. Selbst die stummen und bewegungslosen Dermoplastiken von Säugetieren,Vögeln, Reptilien bis zum Kleingetier gaben eine Ahnung von den Welten, die wir vernichten, wenn wir die Baum-Erntemaschinen, die Harvester, anrollen lassen.
Am Ende klammert sich dann der elende Orang-Mann an die Ölpalme. Unser verzweifelter naher Verwandter reklamiert wortlos die biblische Baumschutzsatzung für sich, für unsere Zeit. Genau so tut es der Kauz, der seine Bruthöhle in einem alten Apfelbaum nicht wiederfindet, weil sich eine Kommune oder ein Privatmann Baumpflegemaßnahmen ersparen wollten. Der Jaguar auf der Soja-Kahlschlagfläche am Amazonas gehört dazu; der von Bergbaurückständen vergiftete Urwaldfluß; die afrikanischen Waldelefanten, die Investitionen in Weltmarkt-Plantagen im Wege stehen: die alte Baumschutzsatzung vom Anfang der Bibel wird für sie alle Ausdruck einer letzten Hoffnung auf unsere Fähigkeit zu Einsicht und Umkehr.
Einerseits präsentieren Hochglanz-Naturmagazine und und Fernsehkanäle Sensationsberichte über das tobende Leben auf einem einzigen Urwaldriesen. Der Aufwand für diese Forschungen ist das Non-Plus-Ultra an biologischer Feldforschung. Er ähnelt aber auch fatal den Eilausgrabungen, wenn auf dem Bauplatz eines Einkaufsparadieses zum Ärger des Bauherrn irgend welche Bodendenkmäler aus uralter Zeit entdeckt werden: möglichst schnell dem Gesetz Genüge tun, damit im Shoppingparadies so bald wie möglich die Kassen klingeln. So hat auch kaum einer dieser Urwaldriesen eine realistische Chance, das 1. Jahrhundert des Anthropozän, des Zeitalters hemmungslosen menschlichen Eigennutzes, zu überleben. Der große Mammon um uns herum – und bei ehrlichem Hinsehen, der kleinkarierte Mammon in uns selber – verursacht schlimmeren und endgültigeren Baumtod, als Milliarden von Borkenkäfern und tausend Waldbrände es vermöchten.

Deshalb ist es so wichtig, so nötig, beim Kampf um die Bäume unserer Kindern und Enkel und ihrer Mitgeschöpfe, dieser Rückendeckung sicher sein zu können. Des in mythologische Rechtssätze gefassten Schöpferwillens, dieser ersten von vielen Baumschutzsatzungen.

Ja, wir tun das Richtige, es ist ein guter gewaltloser Kampf. Einer, der einen Leitgedanken der Schöpfung verteidigt – immer, wenn wir uns der Vernichtung der Bäume widersetzen; vor der eigenen Haustür und überall, wo Gier und Dummheit sich zusammentun, um Bäume mitsamt ihrer ganzen Lebensgemeinschaft zu verschlingen.

Über Harald Rohr

Ich bin Jahrgang 1940 und lebe als ev. Pfarrer i.R. in Niederndodeleben bei Magdeburg. Mehr über mich
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