Fürbittengebete zur Flüchtlingspolitik; August 2015; vom 30.08. rückwärts

Diese Texte sind Bestanddteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

71 vermutlich in Kühl-LKW erstickte Flüchtlinge an Österr. Autobahn A4 im Burgenland
(Text zum 30.08.2015)

Du, unser Gott,
warst der einzige Zeuge
der schrecklichen Stunden
als 71 Männer, Frauen und Kinder einen qualvollen Tod starben
im Gefängnis eines Schlepper-Fahrzeugs.

Aber du konntest sie nicht retten,
weil wir alle dich
und unsere fremden Nächsten im Stich gelassen haben:

unwissentlich – aber nicht ohne zu wissen.

Mache uns fähig zu jener Trauer, die etwas verändert,
in uns und
durch unseren Bürgerwillen
auch in der Praxis der Asylpolitik,
von der Leben, Wohl und Wehe so vieler Menschen abhängen,

und auch dein Segen für unsere Gemeinschaft.

 

Chaotischer Marsch von Flüchtlingen über die sog. West-Balkanroute (23.08.2015)

Treuer Gott,
wir danken für die Gewissheit,
dass du mit den Gehetzten auf dem Weg bist,
den ungezählten Flüchtlingen,

die in diesen Tagen versuchen,
die Länder der Europäischen Union zu erreichen,
bevor ein gnadenloser Grenzzaun sie aufhält.

Wir bitten um den Geist der Menschlichkeit und der Vernunft
für alle, die bei dieser verzweifelten Hast
durch die Länder des westlichen Balkan
aufeinander stoßen:

die Flüchtlinge selbst,
damit sie spüren, wann das Durchsetzungsvermögen des Stärkeren
an Grenzen stößt,

die Bediensteten der unfreiwilligen Transitstaaten,
besonders von Mazedonien und Serbien,
damit sie ihre eigene Hilflosigkeit
nicht gegen die Wehrlosen wenden.

Mache uns gewiss, dass die gehetzten Flüchtlinge
in den überfüllten Zügen
nicht allein Einlass begehren in die Europäische Union,
sondern du selbst mit ihnen.

Persönliche Belastung der Verantwortlichen für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften (16.08.2015)

Wir bitten für die Frauen und Männer,
die in diesen Tagen vielerorts in unserem Land
in kürzester Zeit
die Errichtung Unterkünften für Flüchtlingen gewährleisten müssen:

Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung,
Freiwillige von Hilfsorganisationen, Bürgerinitiativen,
Angehörige von Polizei und Bundeswehr
auch Menschen unserer Kirche und ihrer Diakonie.

Für sie alle bitten wir dich
du Gott an unserer Seite,
stärke ihren Verstand und ihre Herzen,
damit sie den Spannungen standzuhalten vermögen,
denen sie ausgesetzt sind,

zwischen den Erwartungen der Schutzbefohlenen,
unverhohlener Fremdenfeindlichkeit mancherorts
und vielen tatsächlichen Engpässen ohne einfachen Ausweg.

Zeige jeder und jedem von uns, den Platz,
an dem wir gebraucht werden,
damit unser Land in die Tat umsetzen vermag,
was Recht ist.

Über Harald Rohr

Ich bin Jahrgang 1940 und lebe als ev. Pfarrer i.R. in Niederndodeleben bei Magdeburg. Mehr über mich
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