Fürbittengebet: Feindselige Aktionen gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen, Ende Juni

Dieser Text ist Bestandteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

 

Wir bitten dich, treuer Gott:
stelle dich selbst unter die Menschen,
die sich in diesen Tagen vor Flüchtlingsunterkünften gegenüber stehen,
so, wie in Sachsen,

sprich zu jeder und zu jedem
in der Sprache der Herzen
Worte, die dazu helfen, dass dein Wille geschieht auf Erden.

Sprich zu den Flüchtlingen, die daran zweifeln,
ob sie eine sichere Zuflucht gefunden haben,
wenn sie in feindselige Gesichter blicken.

Sprich zu denen, die Gesicht zeigen,
weil sie den Flüchtlingen beistehen
und damit auch unserem Land einen Dienst erweisen wollen.

Aber sprich auch zu den Feindseligen,
Rädelsführern und ihren Anhängern,
die in der Enge ihrer Zukunftsängste gefangen sind.

Wir alle können unser Leben nur meistern
und dem Wohl unserer Heimat dienen,
wenn deine Stimme uns leitet
und uns zurück führt von unseren Irrwegen

so, wie Jesus es uns gesagt hat.

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Fürbittengebet: Griechenlands Arme in der Schulden- und Währungskrise

Dieser Text ist Bestandteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

 

Treuer Gott, dessen Herz die Stimmen der Armen heraus hört
aus den Rufen der Menschheit,

wir bitten dich um das tägliche Brot
für die Armen des griechischen Volkes.

Deshalb bitten wir für die Politiker in Griechenland
und in der Europäischen Union:
bewahre sie davor, ihre Prinzipientreue
und die Durchsetzung ihrer politischen Konzepte
über die Menschenrechte auf Nahrung und Gesundheit zu stellen.

Mache die Kirchen in Griechenland bereit und fähig,
den Armen des Volkes den praktischen Liebesdienst Jesu zu erweisen.

Für uns selber bitten wir:
gib uns Anteil an der Parteilichkeit Jesu,
damit Griechenlands arme Bürgerinnen und Bürger
in uns Fürsprecher, Schwestern und Brüder finden.

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Fürbittengebet: Terroristischer Massenmord an 39 Touristen in Sousse, Tunesien

Dieser Text ist Bestandteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

 

Barmherziger Gott, du wendest dich nicht ab
von den furchtbaren Tagen und Orten,
an denen unsere Herzen erstarren.

Bleibe auch an der Seite unserer Mitmenschen,
die Unfassbares erlebt haben
als blindwütiges Morden in ihre Urlaubswelt
am Strand von Tunesien hinein gebrochen ist.

Wir bitten dich auch für die Menschen in Tunesien,
die auf die Verdienstmöglichkeiten im Tourismus
angewiesen sind:
erhalte ihnen den Lebensmut,
auch wenn ein Zusammenbruch der Tourismusindustrie
ihre nackte Existenz bedroht.

Dein Herz hat gelitten
an dem gnadenlosen Fanatismus
des terroristischen Mörders:

öffne in deiner Gnade sooft wie nur möglich Türen,
die seinesgleichen rechtzeitig die Flucht
aus diesem schrecklichen Gefängnis der Seele möglich machen.

Für uns selbst bitten wir:
mache uns empfindsam für die Urteile und Vorurteile,
die wir durch unsere Lebensart
bei fernen Zeitgenossen nähren,

von denen keiner als terroristischer Mörder geboren worden ist.

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Zu Fuß in Bergen-Belsen

Das muss der Republikaner neidlos anerkennen: auch eine Monarchie kann wirkungsmächtige Bilder zustande bringen – jenseits vom royalem Zuckerguss über den Konflikten einer rauen Gesellschaft wie der britischen. Was Queen Elizabeth II, 89 und ihr Prinzgemahl Philipp, 94 bei ihrem Privatbesuch auf dem Gelände des ehemaligen KZ Bergen-Belsen sichtbar, nacherlebbar gemacht haben, hätte kein Präsident mit gleicher Selbstverständlichkeit tun können.

Der Präsident, als Mensch mindestens mittleren Alters für eine bestimmte Zeitspanne in sein Amt gewählt, hätte mehr tun müssen, als einfach nur am Ort zu erscheinen, einfach nur ein paar hundert Meter unbegleitet zu laufen und wenige Worte mit prominenten Überlebenden zu sprechen.

Für das steinalte britische Königspaar war das aber genug. Weil sie schon vor 70 Jahren, als britische Truppen Bergen-Belsen befreiten, zum konstitutionellen Fundament Großbritanniens gehörten – sie als Kronprinzessin und Leutnant der britischen Armee, er als der Öffentlichkeit noch unbekannter, aber bereits ausersehener künftiger Prinzgemahl – konnten sie jetzt ihre eigene Erscheinung nutzen, um Geschichtsbewältigung ins Bild zu setzen.

Alles könnten sie wohl auch mit öffentlichen Worten bezeugen, wenn ihr Amt es ihnen freistellen würde. Aber Zweifel sind ohnehin kaum angebracht. Die jungen Leute Elizabeth und Philipp haben ganz bestimmt den Horror geteilt, der das ganze Volk überfiel, als britische Truppen Bergen-Belsen befreiten und wirklich jedes Detail, das sie vorfanden, mit einmaliger Gründlichkeit filmisch dokumentierten.

Schlagartig war Bergen-Belsen Deutschland. Bergen-Belsen war für die Nachkriegsbriten neben der Notwehr gegen das angreifende Hitlerdeutschland die Vergewisserung, einen gerechten Krieg gekämpft zu haben. Bergen-Belsen war auch die Sperre, die lange Jahre wirksam blieb, bis die Queen 1965 ihren ersten Staatsbesuch in der alten Bundesrepublik machen durfte.

Niemand kann wissen, was die Königin von der sich abzeichnenden deutschen Vereinigung gehalten hat. Aber Bergen-Belsen ist ganz bestimmt auch ein bleibender Horror im Gefühlsleben ihrer Premierministerin und Generationsgenossin Margret Thatcher gewesen, die sich der Vereinigung nach Kräften widersetzt hat.

Bergen-Belsen hat die Königin 1992 nicht vom Besuch in Dresden abgehalten. Weiterlesen

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Musizieren statt präsentieren

Ich hänge vorm Pantoffelkino und gucke Queen, live! Der Reporter bemüht sich redlich, die Rituale dieser weitgehend wortlosen Veranstaltung „Staatsbesuch“ korrekt zu benennen und mit Bedeutung zu umhüllen. So würden Queen und Bundespräsident nunmehr vor der uniformierten Kapelle Aufstellung nehmen und die Hymnen anhören. Verstanden! Anschließend, erfahren wir TV- Zaungäste, werden sich beide Herrschaften in Bewegung setzen und zu den Klängen des „Preußischen Musiziermarsches“ die Ehrenformation der Bundeswehr abschreiten.

Wie bitte? Wenn die das spielen, was bei derlei Anlässen mit schöner Regelmäßigkeit zu hören ist, dann handelt es sich um das Schinderassa-Bumm der „Preußischen Präsentiermarsches“. Ein „Preußischer Musiziermarsch“ ist weder im Notenschrank noch im Staatsbesuch-Drehbuch nicht zu finden.
Ein Versprecher nur, ein unschädlicher zumal. Vielleicht ist der Queen- Kommentator in der Manöverkritik seiner Redaktion hinterher darauf hingewiesen worden. Vielleicht hat es so gar ein paar Anrufe traditionsbewusster Senioren beim Sender gegeben. Ich war nicht darunter.

Was mir auffällt, was mich amüsiert, was mich hoffnungsvoll stimmt: reichlich hundert Jahre nach Kaiser Wilhelm, 80 Jahre nach dem schrecklichen Militarismus des Nazistaates, ist eines seiner prominenten Rituale, eben dieser „Preußische Präsentiermarsch“, kein derart in Erz gegossener Begriff mehr, dass er vor sprachlichen Ausrutschern sicher wäre. Die schimmernde Wehr zu präsentieren ist keine Geste mehr, die dem durchschnittlichen Bundesbürger besonders am Herzen läge. Da kann es in der Hektik der Live-Reportage schon mal zu einem kreativen Versprecher kommen.

Die geschichtserfahrene Queen wird wissen, dass dieser Marsch zu Zeiten ihrer Urgroßmutter Victoria ihrem Land eins ums andere mal in nicht gerade friedfertiger Gesinnung entgegen trompetet worden ist. Aber Preußen ist immerhin nicht Hitler. Dessen Lieblingsmarsch, der sog. Badenweiler, ist nur noch illegaler Ohrenschmaus ewig Gestriger, eine unerträgliche Kakophonie. Und das hat nichts mit den Noten zu tun.
Warum das Staatsbesuchs-Protokoll den „Preußische Präsentiermarsch“ 2015 für die passende rituelle Musik hält, wäre interessant zu erfahren. Musizieren statt präsentieren ist aber vielleicht nicht nur ein Versprecher, sondern das passendere Willkommen.

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Staatsreligion Christentum – die Versuchung lebt weiter!

Gottesstaat? Gott bewahre! Gottesstaat, Horror und Hirngespinst, von Pseudo-Muslimen an die Wand bzw. auf Fernsehschirme und Webseiten geschmiert. Niemand kann mit der tödlichen Intoleranz eines solchen Konzeptes von Gesellschaft leben, Muslime nicht, Christen und religiös nicht gebundenen Menschen erst recht nicht.
Wenigstens wir Christen haben diesen furchtbaren Irrweg hinter uns, wollte ich hoffen. Ich will es hoffen, weil der Rückblick auf die Tyrannei der verschiedenen christlichen Gottesstaaten kaum auszuhalten ist. Jesus von Nazareth selbst war immer das erste Opfer, wenn anschließend die Unangepassten, die Ketzer, die „Heiden“ ihren Inquisitionen zum Opfer fielen.

Heute gibt es keinen UNO-Mitgliedsstaat mehr, in dem mächtige christliche Kirchen mit Aussicht auf Erfolg verlangen könnten, anders denkenden, anders glaubenden Mitbürgern von staats wegen Bürgerrechte, Freiheit und Leben zu rauben. Wir können uns also jetzt darauf konzentrieren, den Muslimen beizustehen, die gegen den unerträglichen Missbrauch ihrer Religion aufstehen, dachte ich,

bis mir die Übersetzung eines Artikels aus der Zeitung „National“ aus dem fernen Papua-Neuguinea unter die Augen kam. Am 12. Mai war dort zu lesen, dass die Regierung es mit der Forderung einer einheimischen Lutherischen Kirche nach einer Verfassungsänderung zu tun bekommt. Ihr Sprecher fordert eine Verfassungsänderung. Die Aussagen über Religionsfreiheit sollen gestrichen und durch die Formel ersetzt werden „Wir sind eine christliche Nation.“ Zur Begründung heißt es „Im Moment öffnet unsere Verfassung die Türen für andere Religionen wie den Islam, den Buddhismus, den Hinduismus oder die Bahai.“ Weiterlesen

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23.000 Glockenschläge: eine Schule für Gehör und Gewissen

Das war kirchliche Lobbyarbeit vom Feinsten. Zunächst einmal, weil es nicht um institutionelle Eigeninteressen einer Kirche in unserer Gesellschaft ging. Es ging, wie es das Privileg der Gemeinde Jesu sein sollte, um Menschen, in denen er selbst uns mit hoher Wahrscheinlichkeit begegnet – ganz im Sinn seiner Orientierungshilfe: „Was ihr einem dieser Schwächsten unter meinen Schwestern und Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Advocacy nennen wir das im ökumenischen Englisch, anwaltliches, aktives und unmissverständliches Eintreten, für die, die unter die Räuber gefallen sind.
Konkret ging es am Vorabend des Weltflüchtlingstages 2015 allerdings um Menschen, für die jede Parteinahme zu spät kommt. Etwa 23.000 Männer, Frauen und Kinder, hochgerechnet, die in diesem 21. Jahrhundert im Mittelmeer jämmerlich ertrunken sind bei dem Versuch, in Europa etwas Besseres als den Tod zu finden. An sie haben 23.000 Glockenschläge erinnert, arbeitsteilig ausgeführt von zusammen hundert Kirchen des katholischen Erzbistums Köln; angeführt vom dicken Pitter, der prominenten Superglocke im Kölner Dom. Ihres Zeichens die schwerste und größte frei schwingende Kirchenglocke des Landes.
Dazu stand für die Medien dann der Kardinal bereit mit einem Kommentar, der in Sachen humaner Flüchtlingspolitik klipp und klar das zusammenfasste, was in Kirchen und Nicht-Regierungsorganisationen weitgehend Konsens ist. Aber selbst der Erzbischof von Köln hätte es mit diesen wenig populären Forderungen kaum 24 Stunden lang an die Spitze der Nachrichten geschafft, wäre da nicht die Idee mit den 23.000 Glockenschlägen gewesen.

Kirchenglocken läuten seit Menschengedenken für die Toten. Bei uns im Dorf freilich nur für die wenigen, die zu Lebzeiten auch Kirchenmitglieder waren. Ob die Familien der anderen nach drei bis vier Generationen welkenden Volkskirchentums in Nazistaat und DDR noch etwas vermissen, weiß ich nicht recht.
Im Rheinland hat man beim Totengeläut nicht nach Kirchenzugehörigkeit gefragt. Weiterlesen

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Kindersoldaten: „Ist ja wieder gut“ gibt es nicht!

Es hilft mir, dass ich mir die Örtlichkeit vorstellen kann. Vor Jahrzehnten habe ich in der Lehrwerkstatt CAPA der Baptistischen Kirche in Bukavu, Demokratische Republik Kongo zusehen dürfen, wie junge Männer das Kfz-Handwerk erlernten, auf afrikanisch. Also nicht als Ersatzteil-Auswechsler, sondern als kreative Problemlöser. Sie lernten darauf zu vertrauen, dass sie einen bockenden Motor auch mit improvisierten Hilfsmitteln, mit von Fall-zu-Fall-Lösungen wieder zum Laufen bringen werden. Ich war beeindruckt.
Es ist dieselbe Kirche, derselbe Ort, womöglich sogar diesselbe schmucklose Großgarage, von der ich jetzt lese, dass dort junge Männer auch zu Gitarrenbauern ausgebildet werden. Viele von ihnen ehemalige zwangsrekrutierte Kindersoldaten aus den verschiedenen Kriegen, die den Menschen im Osten des Kongo nach 1994 das Leben zur Hölle gemacht haben. Afrikas Ersten Weltkrieg nennt die Welt inzwischen diesen Horror, auch weil die Opfer nach Millionen zählen. Damals, bei meinem ersten Besuch in den Werkhallen von CAPA, war noch Vorkriegszeit.
Gitarrenbauer hört sich toll an, wenn man die Musikleidenschaft junger Afrikaner kennengelernt hat. So ein Spezialist wird garantiert nicht auf seiner Ware sitzenbleiben. Aber auch EDV-Ausbildung oder, ganz anders, Training als Ziegelhersteller für den Bau sind bestimmt marktgerechte Ausbildungsprogramme für junge Männer und Frauen, die schließlich den Klauen ihrer Warlords entkommen sind. Und eine Kirche: was kann sie Besseres tun, als praktische Brückenbauerin in eine bessere menschenwürdige Zukunft für geschundene Frauen und Männer zu sein, die ja den Großteil ihres Lebens noch vor sich haben? Da ist es mir mehr als recht, wenn BROT FÜR DIE WELT 150.000 € Spendengelder für das Reha-Programm zur Verfügung stellt.

Aber meine bangen Fragen bleiben. Weiterlesen

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Öko-Faires Gotteshaus – eine Beziehungskiste

Ich soll mich für ein „Öko-Faires Gotteshaus“ stark machen, drängt die Broschüre einer Nichtregierungsorganisation, die sich unter Christenmenschen großer Wertschätzung erfreut.

Im alltäglichen kirchlichen Management sprechen wir freilich nicht vom „Gotteshaus“, sondern von unserer Kirche. In meinen Kinder- und Jugendjahren nach 1945 war die eigene Kirche der Traum, das heiß ersehnte Ziel tausender christlicher Gemeinden. Ich weiß nicht, wie oft ich die frommen Aufmärsche zu Grundsteinlegungen, Richtfesten. Kirchweihen mit erlebt habe. Folglich sind in West-Deutschland in den Nachkriegsjahrzehnten mehr Kirchen gebaut worden, als in den reichlich 400 Jahren von der Reformation bis zum Nazistaat. Ihre Einrichtung und der Unterhalt waren eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels der Gemeinden. Ökologisch? Fair? Fragestellungen, so unbekannt, wie Amerika vor der Reise des Kolumbus! Den Posaunen-umtönten Kirchweihgemeinden fehlte ja so gar die Ahnung von Näherliegendem: dem totalen Erosionsprozess der christlichen Volkskirchen in den kommenden Jahrzehnten, dessen Zeitzeugen und Betroffene wir sind – auch wenn es gilt, überzählig gewordene Kirchen abzugeben und die anderen vielseitiger und kostengünstiger zu nutzen. Des lieben Gottes überteuerte Wochenendhäuser sind zum Problem mutiert.
Wochenendhäuser, nur noch je einmal monatlich genutzt, das sind auch die beiden denkmalgeschützten Kirchen in unserem Großdorf. Die Gründe liegen im ländlichen Sachsen-Anhalt auf der Hand. Sie sind nicht ehrenrührig. Aber Gotteshäuser im ursprünglichen Sinn sind St. Peter&Paul und St. Stephanus seit Jahr und Tag nicht mehr.

Der Begriff verdankt seinen Lebenskraft der Tradition des Tempels in Jerusalem. Demnach hat Gott in souveräner Entscheidung einen Ort gewählt, wo er unter und mit seinem Volk leben will, Tag für Tag, in täglicher Begegnung. Die verwirrende Fülle der Bau- und Ausstattungsvorschriften, der rituellen Gesetze, die einem bei der Bibellektüre begegnen, hat nur den einen Zweck, die tatsächliche alltägliche Nachbarschaft von Gott und Volk möglich und gefahrlos zu machen.

Die christlichen Kirchen haben dies Gotteshaus-Verständnis von dem Tempel Israels übernommen. Bis in unsere Tage hinein waren Kirchen alltägliche Orte der Gottesbegegnung, von Montag bis Sonntag. Gottesdienste, Messen waren dabei immer nur ein Teil des Geschehens und nicht unbedingt der umfangreichste. Weiterlesen

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„Pilgerweg Klimagerechtigkeit“ für Fußkranke

Sein Heimatland zu verlassen – in meinem Fall den Lebensraum der Ev. Kirche von Westfalen – hat auch in undramatischen Zeiten seinen Preis. Sicher, es hat sich gelohnt, auf die alten Tage noch einmal eine neue Herausforderung im evangelischen Ostdeutschland anzunehmen. Aber die vertrauten und verlässlichen Kontakte, in 40 Jahren gewachsen, verkümmern, vertrocknen gleichzeitig unvermeidlich. Nur einige Postverteiler nähren noch die Illusion, du könntest mit deiner alten Kirche immer noch mitdenken und mit handeln.
Mit einer Ruhestandsadresse in Westfalen hätte ich nicht erst jetzt vom „Westfälischen ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ erfahren; organisatorisch ein Teilstück des größeren Pilgerwegs, zu dem sich Christenmenschen und ihre Landsleute aus ganz Europa auf den Weg zur schicksalhaften UNO-Klimakonferenz in Paris vom 30.November bis 11. Dezember machen. Vom 13.- 24.Oktober geht es durch NRW, deckungsgleich mit Teilen meiner Heimatkirche und der katholischen Bistümer Paderborn und Münster. Ja auch die Katholischen Bistumsnamen verströmen Heimatklang. Die klugen Gänse des heiligen Ludger haben meine Phantasie in der Volksschule genährt. Unzählige Male habe ich später damit angegeben, als evangelischer Pastor über eine abgeschlossene Messdienerausbildung zu verfügen. Zu diesem Zweck kam der Kaplan in die Schule und ließ sich durch die Handvoll evangelischer Flüchtlingskinder nicht irritieren.

Vom 20.-22.10. steht das mir später so vertraute Dortmund ausnahmsweise einmal nicht für den BVB, sondern für gemeinsames Kopfzerbrechen der Pilgernden darüber, was es mit der Klimagerechtigkeit auf sich hat. Wäre ich Westfalen treu geblieben, wäre ich sicherlich im Ehrenamtlichen-Pool dieser Veranstaltung gelandet.

Genug des Lamentierens! Mein lädiertes rechtes Knie weigert sich sowieso, von Osnabrück bis Wuppertal seinen Dienst zu verrichten. Allenfalls per Pedale, nicht per pedes wäre tägliches Vorankommen zu bewerkstelligen. So werde ich die, an denen noch einige Zipfel meines Herzens hängen, im Oktober wohl mit freundschaftlichen Gedanken ihren Pilgerweg ziehen lassen.

Mir bleibt die naheliegende Frage: was kann ich als daheim Bleibender beitragen zur spirituellen und gesellschaftspolitischen Logistik dieses Pilgerweges quer durch Europa? Allein dieser verbale Klotz „Klimagerechtigkeit“ ruft nach den Versuchen Vieler, ihm Anschaulichkeit und Attraktivität zu verleihen. Einstweilen ist er ja wohl eine Analogbildung zu schon länger gebräuchlichen Begriffen wie Geschlechtergerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Nahrungsgerechtigkeit: allesamt der Versuch, Beziehungen oder Besitztümer mit der Frage nach dem, was recht ist, zu verbinden.
Verglichen etwa mit Nahrungsquantitäten und Landrechten ist das Klima freilich ein ziemlicher Wackelpudding; kein Grund, der Herausforderung auszuweichen. Das Politische muss am Ende ins Sprituelle, wie das Runde ins Eckige. Vom Hölsken kommen wir voraussichtlich auf Stöcksken. Jeden Tag können auch Daheimgebliebene der Klimagerechtigkeit neue Blickwinkel und Wegstrecken abgewinnen und sich mit denen unterwegs austauschen.

Ich bin gespannt.

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