Fürbittengebet “Satt ist nicht genug!” (Jahresaktion Brot für die Welt)

Dieser Text ist Bestandteil des Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion “Brot für die Welt” und des Eine Welt-Zentrums in Herne

Eröffnung der 56. Jahresaktion „Brot für die Welt“ in Wien:

„Satt ist nicht genug – Zukunft braucht gesunde Ernährung“

es ist naheliegend, den Text auf mehrere SprecherInnen aufzuteilen

 

Treuer Gott, Jesus hat uns die Bitte um das Tägliche Brot
in den Mund gelegt,
für uns selbst – und für unsere Nächsten, nah und fern.

Deshalb vertrauen wir darauf, dass die Partnerinnen und Partner
unserer Aktion „Brot für die Welt“ nicht auf sich allein gestellt sind,
wenn sie ihren guten Kampf
um das Tägliche Brot für all deine Töchter und Söhne
fortsetzen
während der neuen Jahresaktion,

entschlossen und friedlich,
klug und unter deinem Schutz.

Belebe unseren Geist mit dem Feuer deines Geistes,
damit der Ruf „Satt ist nicht genug“ – (das Leitwort der neuen Aktion),
dabei hilft, Trägheit zu überwunden
und die mühseligen Pfade der Veränderung und der Gerechtigkeit zu betreten.

Fange bei uns selbst an,
damit wir uns nicht zufriedengeben mit einer Welt,

die einen Teil der Hungernden
notdürftig vor dem Tod rettet,

die Abermillionen Kinder früh und unwiderruflich geschädigt
ins Leben schickt, Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gebete zum Zeitgeschehen, Menschenrechte | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Flüchtlinge von der anderen Religion

Unerwartet und ohne mein Zutun ist die dicke Akte in meine Hände geraten. Nahe Verwandte hatten sie nach einer Jahre zurückliegenden Wohnungsauflösung bei einer verstorbenen Tante im Haus und konnten wenig damit anfangen: sorgfältig abgeheftete Briefe meiner Großmutter, Jahrgang 1884, gestorben 1966, an ihre Tochter, eben diese Tante, beginnend 1947, bis 1954. Ausgedruckt reichlich 200 Seiten, schätzt meine Frau, die sich energisch ans Abschreiben gemacht hat.

Dabei hilft ihr, dass Oma noch zur den Generationen gehörte, die in der Schule Zensuren im Schönschreiben bekamen. Da bleiben selbst Texte entzifferbar, die in Notzeiten und unter Stress auf Zettelchen hingeworfen wurden, deutlich kleiner als ein Stück Toilettenpapier. Nebenbei, Oma hat der Tante 1953 eines meiner Zeugnisse kopiert: „Schönschreiben: mangelhaft!“ Ich darf doch sehr bitten! Fast alle Leute, die in den 60 Jahren danach meine Handschrift lesen mussten, hatten nix zu meckern. Im Gegenteil, der Mangelhafte von einst ist beinahe zum Vorbild mutiert.

Aber lassen wir das! Immerhin zeigt das kleine Blitzlicht, dass fast alles in Omas Briefen Familienangelegenheiten sind, die heute der Nachwelt keineswegs mitgeteilt werden müssen. Ich verstehe mich und uns hoffentlich ein wenig besser: Urteile über meine toten Allernächsten werden hoffentlich ein wenig begründeter, ehrlicher, verstehender. Aber das mag allenfalls etwa 25 Menschen berühren, die heute meine weitere Familie ausmachen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kommentare | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die spinnen, die Japaner – nicht nur die!

Die spinnen die Japaner, aber mächtig! Nein, nicht die Leutchen in der Tokioter U-Bahn und auch nicht der Mann von der Imbissbude à la Japan. Milde gesagt, spinnen tun die Manager und Politiker, die sich für Stimmung, Traditionspflege und die Bilanzen der gehobenen Gastronomie Nippons verantwortlich fühlen. Diese Herren, ggf. auch Damen, hauen jetzt dem Rest der Welt die Mitteilung um die Ohren, man werde Ende 2015 den „wissenschaftlichen“ Walfang in einer erweiterten Region rund um die Antarktis wieder aufnehmen. Dem Zwergwal, Balaenoptera bonaerensis, soll es verstärkt an die Pelle gehen. Eine erhöhte Abschussquote soll dann wohl gesteigerte wissenschaftliche Erkenntnis bringen; vielleicht über die Wirkung von Zwergwalfilet auf den Erfolg von Exportverhandlungen für japanische Autos? Dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der Japans Walfang im Frühjahr 2014 wegen seines tatsächlich kommerziellen Charakters verboten hatte, wird man zum Trost vielleicht ein Fäßchen Reiswein zustellen lassen, nach dem Motto „Nicht übelnehmen!“
Wäre ich ein von japanischem Forscherdrang Betroffener, ein männlicher Zwergwal also, mit immerhin bis zu 10 Metern Körperlänge, ich würde mir gewiss nicht allein um die Harpunenschiffe unter der roten Sonne Sorgen machen. Ich hätte längst mitbekommen, dass mit unserem Täglichen Brot, dem zirkumpolaren Krill, etwas nicht mehr stimmt. Klimawandel, Meeresverschmutzung, in Menschensprache übersetzt. Aber dass diese Leute uns totschiessen müssen, um wirklich Wichtiges über uns zu erfahren? Welcher Wal soll das glauben – nachdem wir und ihr Menschen uns schon ein paar tausend Jahre lang auf hoher See begegnen und beobachten? Und welcher Mensch, der auch nur eine bescheidene Portion Biologie und Ökologie intus hat?
Nein, sie spinnen wohl wirklich, die Propagandisten und Nutznießer der japanischen Walschlächterei. Die Handvoll Häppchen-Liebhaber unter respektablen 128 Millionen Japanern werden sich umstellen müssen – so wie aus verschiedenen Gründen schon manches Wildtier von menschlichen Speisekarten verschwunden ist. Bärenschinken ist schon lange out. Als nächstes vielleicht der Epauletten-Flughund, Epomorphorus gambianus, ein beliebter Snack auf Westafrikas Frischfleischmärkten; nur eben auch Transporteur des Ebola-Virus über Ländergrenzen hinweg. Na ja, und mein früher so geschätztes Rotbarsch-Filet ist längst wegen Überfischung der Fanggründe zum no-go geworden.
Die spinnen, die Japaner! Aber nicht nur sie. Nationale Bockigkeiten angesichts einer kopfschüttelnden Menschheit werden unter mancher Nationalflagge zelebriert. Beispiel gefällig? Alle Welt findet Geschwindigkeitsbegrenzungen im Autoverkehr sinnvoll und notwendig, aus einer ganzen Latte von Gründen. Nur ein Völkchen unter dem Banner Schwarz-Rot-Gold hält dagegen als gälte es, den letzten Hort der Freiheit auf Erden zu verteidigen. Reichlich ein Prozent gegen den Rest der Welt!
So kann ich den vernünftigen und zukunfts-zugewandten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen nur guten Mut wünschen – egal welche spinnerten Extravaganzen sich ihre nationalen Gesellschaften unbedingt leisten zu dürfen meinen. Alles Gute, vorsorglich 193 mal, wenn denn die Mitgliederliste der UNO noch stimmt!

Veröffentlicht unter Glossen, Kommentare | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Erklärung von Rom – ab in den Schredder?

Mit dem Absender „Rom“ sind schon etliche wirkungsmächtige Signale in meinem Leben angekommen: die „Römischen Verträge“ von 1957 haben aus einem deutschen Kriegskind nach und nach einen kritisch-loyalen EU-Bürger gemacht. Das 2. Vatikanische Konzil ab 1962 war nicht nur für die Kirche Roms ein Ruf zur Erneuerung. Der „Club of Rome“ hat die „Grenzen des Wachstums“ 1972 für die Restlaufzeit der Menschheit zur Herausforderung gemacht.

Jetzt versuchen es 170 Regierungen von UN-Mitgliedsstaaten abermals mit der Magie der historischen abendländischen Metropole. Eine „Erklärung von Rom“ soll zum Fanal im Kampf gegen die Menschenrechtsverletzung schlechthin, den von Menschen gemachten Hunger, aufgeblasen werden. Ich fürchte, das politische Fluidum des Namens Rom ist selten für eine elendere Mogelpackung in Anspruch genommen worden. Europa-Verträge, Konzil und Club waren, allen Stolpereien zum Trotz, wirkliche Highlights mit einer beschreibbaren Wirkungsgeschichte, verglichen mit den Unverbindlichkeiten, die da am Buß- und Bettag 2014 aus der urbs (Stadt) in den orbis (Erdkreis) geblasen werden.
Klima-Roulette; neokolonialistischer Landraub; Nahrungsmittelspekulation, das beliebte Glücksspiel mit massenhafter Todesfolge; globale Fastfood-Mast des Homo sapiens; Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in Weltmarkt-Industrien, bis zum Geht-nicht-mehr: keiner dieser Hungermacher wird von den 170 mit ihrer „Erklärung von Rom“ verbindlich und nachprüfbar an die Kandare genommen.
Nicht allein, weil die da oben nicht wollten, sondern mehr noch die da unten – diejenigen unter ihnen, die genau wissen, dass sie etwas zu verlieren haben, also wir. Uns droht beileibe nicht Verlust von Leib und Leben, aber sehr wohl der unseres Lebensstils, der immer von Neuem geboren wird, wenn „Geiz ist geil“ und „anything goes“ sich paaren.
Dabei wissen wir seit Jahrzehnten, dass wir nicht beides haben können: eine im 22. Jahrhundert mit Lebensfreude bewohnbare Erde und die Fortsetzung der angesagten Drei-Affen-Mentalität.
Nein, eine Erklärung, deren glitschige Unverbindlichkeit schon vor Konferenzbeginn festgezurrt war, kann mich nicht in die Pflicht nehmen – wenn ich nicht auf anderem Wege längst mobil gemacht worden wäre.
Also ab in den Schredder der Zeitgeschichte, wo schon die hilflosen Deklarationen einer ganzen Latte von Klimakonferenzen gelandet sind? Es wird wohl darauf hinaus laufen.

Vorher habe ich mir nur schnell noch ein paar Stichworte heraus gezupft, wie das Karnickel, das aus dem angewelkten Grünfutterklumpen die paar Blättchen Löwenzahn auswählt und den Rest liegen lässt. Heraus gezupft habe ich mir die Adresse des Papstes an die Konferenz. Sie gehört nicht zu der substanzarmen Erklärung. Aber Mitstreiter Franziskus leiht der Menschenrechts-Community ohne Wenn und Aber seinen Amtsbonus. So macht er auch für autoritätsgläubige Zeitgenossen zitierbar, was wir seit Jahr und Tag zum Menschenrecht auf Nahrung sagen und fordern.

Und dann finde ich da noch zwei weitere Löwenzahn-Blättchen: in Rom ist der Teufelskreis der Fastfood-Ökonomie vom Feindbild für Veggies zum Menschheitsproblem befördert worden; einstweilen nur verbal, aber immerhin! Und – einstweilen auch nur verbal – scheint ein wenig Bewegung in die Diagnose des Welthunger-Unrechts zu kommen: seit die Statistiker darauf bestehen, dass seit zwei Jahren weniger als eine Milliarde Menschen hoffnungslos hungern, taucht die neue Kategorie der Unter-, Mangel- und Fehlernährten in Statistiken, Pressemeldungen und UN-Dokumenten auf.
Die hat es immer schon gegeben, die Menschen, die mit der Sorge um Beschaffung und Finanzierung ihrer Mahlzeiten aufstehen und schlafen gehen; die Mütter und Väter, deren Rupies, Shillings oder Soles immer schon ziemlich restlos dafür drauf gingen. Alles, was mit weniger als zwei Euro Tagelohn nach Hause kommt, spielt zwangsläufig mit in dieser Ernährungslotterie. Da reden wir dann nicht mehr von 12 oder 15% längst Abgeschriebener, sondern von kaum weniger als der Hälfte unserer Zeitgenossinnen. Da braucht der Dörrofen des Klimawandels oder eine der anderen Stellschrauben der globalen Ernährungssicherheit nur wenig in die falsche Richtung gedreht werden, und unsere Insel der seligen Konsumenten war die längste Zeit eine solche.

Ja, wenn wir uns einigen könnten auf eine lebensnahe Betrachtung der Überlebenskämpfe von Menschen, die essen und trinken müssen; wenn wir mit in Blick nehmen, was vor dem nackten Hunger kommt; was Menschen in dieser Lage brauchen an Rechten und Ressourcen, dann hätte die unverbindliche Erklärung von Rom doch noch einen Erinnerungswert.

Veröffentlicht unter Kommentare | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mindestlohn für die Friseuse – besser doch nicht?

Seinen Namen weiß ich nicht mehr. Aber der Dorffriseur gehörte zu den Respektspersonen meiner Kindheit. Wann immer es soweit war, bekam ich eine reiche Kostprobe seiner Kunstfertigkeit geboten. Denn wir Kinder hatten zu warten, bis der letzte Erwachsene bedient war. Nachts, im Übergang von der Müdigkeit zum ersten Traum stand er dann wieder vor mir: wie er sein Rasiermesser entschlossen am braunen Lederriemen schärfte, der Herr über Hals und Kinn von Knecht und Bauer, der Virtuose mit Seifenschale und Pinsel.

Keiner der später um mich bemühten Figaros konnte ihm das Wasser reichen, unauffällig Dienstleistende allesamt – vielleicht bis auf Mr. Nelson in der City von Colombo, Sri Lanka. Der Zufall wollte es, dass ich auf Dienstreisen mehrfach seiner Dienste bedurfte. Auch er schnitt nur Haare, das aber unter einem leichten Tropenregen von Duftwässerchen, die er nahezu in Minutenabständen um mich herum verspritzte.
Nach Mr. Nelson hat dann meine Frau die Sache in die Hand genommen. Seit reichlich 30 Jahren tut sie nun in unserer Küche, was eigentlich Profiangelegenheit ist.

So fügte es sich, dass ich den sozialen Skandal rund um die Ausbeutung angestellter Friseusen und Frisöre das halbe Erwachsenenleben lang nur über das Medienecho mit bekam. Man muss wohl lange suchen, um einen zweiten Meisterberuf zu finden, in dem Frauen und Männer nach bestandener Gesellenprüfung für derartige Hungerlöhne malochen mussten. Bei uns im deutschen Osten hat es wirklich und wahrhaftig Betriebe gegeben, denen ihre Leute weniger als die Hälfte des künftigen gesetzlichen Mindestlohnes wert waren. Aus nackter Not, klagen die Chefs und Chefinnen.

Aber jetzt soll es ja besser werden, in Trippelschritten wenigstens. So denkt der Bürgersmann in seiner Froschperspektive – und überlegt erleichtert, wie er vielleicht Flüchtlingen ein nützlicher Nächster sein könnte, oder anderen Leuten, die nicht auf politische Weichensteller von der Berliner GroKo zählen können.
Ich hätte besser abgewartet. Seit Tagen leuchtet über uns allen ein Feuerwerk wohl formulierter Besorgnis über diesen Gemeinwohl schädigenden Mindestlohn für Friseusen und ihresgleichen. Ein geschicktes Ping-Pong zwischen Verbandsfunktionären und Politikern, denen die ganze Gerechtigkeitsmasche nicht passt. Vielleicht lässt sich das Projekt unter Hinweis auf die roten Bremslichter der Konjunktur ja doch noch gleich mit ausbremsen.
Markt ist schließlich Markt – das andere regelt Hartz IV. Die Friseuse soll halt etwas kecker mit den Augendeckeln klimpern, dann klappt´s auch mit dem Trinkgeld. Ein Fünkchen Patriotismus täte ihr auch gut. Dann wäre sie von selbst darauf gekommen, dass allein das Gerücht von einem anrollenden Mindestlohn-Tsunami die Seelen unserer Wirtschaftsbosse so malträtieren muss, dass sie konsequent jeder Investition abschwören und sich an Muttis Schürze in Berlin ihre Angsttränen abwischen. Wo kämen wir hin, wenn wir unsere schlagkräftigste wirtschaftliche Geheimwaffe, unseren einmaligen Billiglohnsektor, für ein paar Häppchen Sozialromantik aufs Spiel setzen würden?

Keiner der medienpräsenten Bedenkenträger verfällt öffentlich in diesen Rüpelton. Aber beim harten Kern, beim Menschenbild, treffen wir uns wieder. Ende 2014 scheint unverändert gesellschaftlich ehrbar und ehrenwert zu sein, die sozial Schwächsten unserer Gesellschaft abzuschütteln, wie ein stolzes Ross die lästigen Fliegen. Wenigstens können wir´s mit reichlich Pseudo-Objektivität ja mal versuchen!
Schade, dass der sachverständige Herr Professor Dr. und der knallharte Herr MdB keine Schwiegertochter haben, die sich in einer thüringischen Kleinstadt auch künftig besser ohne Mindestlohn durchs Leben schnibbeln soll. Das würde helfen! 15.11.14

Veröffentlicht unter Kommentare | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Von Neil Armstrong bis “Philae”

Mr. Armstrongs Mondfahrt AD 1969 hat mir immerhin den ersten eigenen Fernsehapparat beschert, gerade noch rechtzeitig ins Haus gekommen, zum 20. Juli. Ein verschlafenes sechsmonatiges Söhnchen auf dem Schoß, konnte ich mich so in die globale Zeitzeugenschaft des vermeintlichen Jahrhundertereignisses einreihen.
Im Rückblick will mir scheinen, das Knäblein hat das Super-High-Tech-Happening jener Nacht intuitiv richtiger einsortiert als wir mondsüchtigen Erwachsenen: vom Sommer 1969 bis in den Herbst 2014 haben sich die wirklich dramatischen Dinge nicht im erdnahen Weltall, sondern in unserer irdischen Heimat abgespielt: Raubbau und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen in historisch nie zuvor gekanntem Ausmaß – bei zeitgleicher Verdoppelung der Menschheit; beispiellose Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen aller Kategorien, zuzüglich mordeffizienter Kleinwaffen auch für Kinderhände; zunehmende Entmündigung von Bürgern und Politik durch die Herren des Mammon. Ihre Neuinszenierung lokaler und globaler Sozialkonflikte lässt Karl Marxens Kapitalisten des 19. Jahrhunderts alt aussehen.
Und unsere Damen und Herren Astro- bzw. Kosmonauten werden sich darüber im Klaren sein, dass sie ihren Traum vom Fliegen immer schon nur als direkte oder indirekte Gehilfen des Militärs träumen konnten.
So war die teure Kurverei vor der irdischen Haustür für mich die letzten 45 Jahre lang eine interessante, manchmal sehr spannende, einige Male auch schmerzlich bewegende Nebensache, nicht mehr.
Warum ist das jetzt, im November 2014, mit der Landung eines automatischen Labors namens „Philae“ auf dem Kometen „Tschuri“, nach zehn Jahren Flug und einer Strecke, die die Mondtour zum Katzensprung degradiert, auf einmal ein wenig anders? Die Sache bewegt mich tatsächlich. Nicht zuerst wegen der technischen Spitzenleistung. Schon gar nicht, weil Landsleute da mit gefummelt haben. Eher schon, weil einem völligen Laien wie mir, dabei klar wird, dass auf die Himmelmechanik die uns umgibt, einigermaßen Verlass sein muss. Die Flugbahn eines fernen Kometen lässt sich offensichtlich verlässlicher prognostizieren, als der Lauf des Rheins in ein paar tausend Jahren.
Nein, wirklich kribbelig machen mich die wiederholten Kommentare zu Sinn und Verstand des Unternehmens. Es gelte herauszufinden, ob Kometen wie dieser „Tschuri“, vor Jahrmilliarden gegen die unbelebte Jungerde gebumst wären und so chemische Verbindungen frei Haus geliefert hätten, die sich später als Bausteine des Lebens erweisen sollten. Leben, aus den Tiefen des Alls importiert, oder doch hausgemacht in der irdischen Ursuppe?
Überflüssig zu sagen, dass ich naturwissenschaftlich zur Antwort nichts beitragen kann. Ich verstehe ja noch nicht einmal die Frage, angesichts all dessen, was bestimmt mit gemeint ist.

Was mich bewegt, ist die Entdeckung, dass das Rendezvous von „Philae“ und „Tschuri“ meiner Liebe zu den biblischen Schöpfungsgeschichten von Erde und Himmelfeste bzw. der Oase Eden keinerlei Abbruch tut, nicht die Bohne. Das hat noch kein naturwissenschaftlicher Lernschritt bewirkt, den ich in Jugend und Erwachsenenleben zu gehen hatte. Weder die wahrhaft aufklärenden Beobachtungen des auch-Theologen Charles Darwin; noch das Netzwerk der Genetik, das uns mit unseren Mitgeschöpfen verbindet; noch die einigermaßen allgemeinverständlichen Basisinformationen über Stand und Wesen des Kosmos.

Je maß-loser das leblose Universum zu werden scheint, umso mehr enttarnen sich die biblischen Schöpfungsgeschichten als das, was sie sind: als Liebesgeschichten, die sich nicht pressen lassen in die Nüchternheit eines Laborberichtes. Das haben Liebesgeschichten so an sich, weshalb wir sie so lieben und so gern erleben.
Und wenn sich das umgefallene „Philae“-Labor auf dem kosmischen Steinhaufen fast ohne Anziehungskraft doch noch bekrabbelt und seine Analysen abspult? Gar mit dem Ergebnis: „Lebensmittel an Bord“? Dann würde ich die liebevolle Macht, die wir mit dem Menschenwort „Gott“ benennen, der Jesus sehenden Auges vertraute, umso mehr bewundern. Erst aus dem Kosmos per Express das Starter-Set kommen lassen – und dann all die wunderbaren dramatischen Prozesse, die ich mir hinter den Bildern der Sieben Tage und/oder des Gartens Eden vorstellen darf! Oder vielleicht doch noch anders, wenigstens in wichtigen Nuancen? Meine Enkel sollen schließlich auch noch ihre Sensationen erleben.

Damit das möglich bleibt, behält der Schauplatz Erde allerdings seine Priorität. Nur hier ist Leben eine klare Sache

14.11.14

Veröffentlicht unter Glossen, Kommentare | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fürbitte: Landung des Labors “Philae” auf dem Kometen “Tschuri”

Dieser Text ist Bestandteil des Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion “Brot für die Welt” und des Eine Welt-Zentrums in Herne

Guter Gott,
du gönnst uns unser Staunen über die menschliche Fähigkeit,
ein Forschungsgerät auf einem Kometen abzusetzen,
nach zehnjährigem Flug in 500 Millionen Kilometer Entfernung,

nur, weil wir besser verstehen wollen, wie die Baustoffe des Lebens
auf unseren Blauen Planeten gelangt sind.

Wohin unsere Maschinen auch fliegen,
wie weit wir selbst uns auch tragen lassen,

wir verlassen doch nie deine Schöpfung,
in der Liebe und Schönheit wohnen,

in der unser Leben sich erfüllen soll
nach deinem Willen, an diesem wunderbaren kosmischen Ort,

an dem deine menschliche Stimme, die Stimme Jesu
uns Mut macht und leitet.

Veröffentlicht unter Gebete zum Zeitgeschehen | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Horror-WM in Damatura

Eigentlich hatte ich mich vor dem ersten Anpfiff schon von der 20. Fußball-WM abgemeldet. Alles, was erst nach 21 Uhr los geht, kollidiert einfach mit meinem Zug ins Bett: Altersschicksal. Außerdem geht das Gehabe des selbsternannten FIFA-Königs vom Genfer See und seiner mitunter empfänglichen Kumpane wirklich auf keine Kuhhaut mehr. Dieser Fisch stinkt vom Kopf her.

Und nun habe ich doch mehrere Abende hintereinander zugeschaut! Die Spiele erwiesen sich als unerwartete Muntermacher. Die Kicker trauen sich mehr, als zu erwarten war. Und meine Frau erklärt einer Freundin am Telefon, dass man die Männer lassen muss, wenn sie fußball-bedingte Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Umso scheußlicher die Nachricht, die ich mit ein paar Tagen Verspätung aus der Zeitung fische. Das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Mexiko hat in Nord-Nigeria, in Damaturu, vielen Fernsehzuschauern Tod und Elend gebracht. Die terroristische Sekte Boko Haram hat ein Public Viewing als Bombenziel ausgewählt und blindwütig gemordet. Boko Haram, wer sonst, denken die Leute. Nicht zum ersten mal morden sie Fußballfans, denn die Verbindung von Sportvergnügen und Gastronomie ist genau die Lebensart, gegen die sich der mörderische Fanatismus der „Boys“, wie sie in Nigeria angsterfüllt genannt werden, richtet. Fußball, das ist Nigeria. Das sind die „Super-Adler“ im Nationaltrikot – an Stelle der Religionen, Sprachen und Völker, die Afrikas menschenreichsten Staat in ein Gewirr von Konfliktparteien zerlegen. Dies Nigeria der vereinten Fans darf aus der Sicht der religiösen Fanatiker nicht sein. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kommentare | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert

Faire Diensthose?

Meine schwarzen Cordhosen haben allesamt ihre Zeit gehabt, findet meine Frau. Außerdem sind diese Frühsommertage etwas sehr warm für den ziemlich dicken Stoff. Und nachdem ich mehrere Tage lang der freundlichen Aufforderung zum Ersatzkauf nicht nachgekommen bin, hat sie gestern selbst das Sortiment eines Textil-Kaufhauses in der Stadt in Augenschein genommen.
Mit Erfolg! In der Küche liegen drei Hosen aus leichten Stoffen, darunter die eine schwarze, wie ich sie unbedingt brauche. Wieso? Weil auch ansonsten gutherzige Christenmenschen zu Lästermäulern mutieren können, wenn unten am Talar ein brauner oder hellgrauer Streifen ins Auge fällt, statt eines ungestörten Schwarz. Die Kleiderordnung im deutsch-evangelischen Gottesdienst ist leider ein wenig spießig.
Aber lassen wir das. Ich habe meine neue Diensthose. Und was für eine! „Bio-Baumwolle,“ verkündet die Käuferin. Allerdings fehlt da etwas Entscheidendes in ihrer Stimme. Diese unverkennbare Prise Stolz, wenn sie bei ihren ständigen Expeditionen für bio-fairen Konsum wieder mal einen unstrittigen Sieg errungen hat: eine neue, glaubwürdige Einkaufsquelle. Kaum etwas tut ihr wohler!
Aber HOB, Herrenoberbekleidung biofair aus dem Kaufhaus? Kann das sein? Oder hat ihr kritischer Geist da angesichts der heran nahenden Abfahrtszeit des Regionalzuges einen Kurzschluss erlitten? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kommentare, Menschenrechte | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert

Sommerwochen 1944 2014

Die ersten Landsleute beginnen mit dem Kofferpacken. Wenige Tage noch, dann bricht sich die Urlaubssaison 2014 Bahn. Für die einen beginnt sie auf Balkonien mit der Kicker-WM, für die anderen in sicherem Abstand zum Alltag an den Stränden, von der Costa Brava über Antalya bis in die Karibik.
Und niemandem, wirklich niemandem, im Stau, am Grill, sogar nicht denen am idiotischen Ballermann mag ich mit erhobenem Zeigefinger Geschichtsvergessenheit unter die Nase reiben. Von der Art: „Denkst du im Sommer 2014 eigentlich mal daran, wie Hitlers Deutsche und ihre Opfer den Hochsommer 1944, den vor genau 70 Jahren, durchlebt und durchlitten haben?“

Nachdenklichkeit auf Knopfdruck funktioniert nicht und macht keinen Sinn. Und 120 Sekunden TV-Bilder Obama, der Queen, Hollande und Merkel, zusammen mit 90jährigen Veteranen an der Omaha-Beach in der Normandie, das geht ja wohl auch hier rein und da raus. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kommentare | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert