Fürbittengebete zur Flüchtlingspoltitik; August 2015; vom 30.08. rückwärts

Diese Texte sind Bestanddteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

71 vermutlich in Kühl-LKW erstickte Flüchtlinge an Österr. Autobahn A4 im Burgenland

Du, unser Gott,
warst der einzige Zeuge
der schrecklichen Stunden
als 71 Männer, Frauen und Kinder einen qualvollen Tod starben
im Gefängnis eines Schlepper-Fahrzeugs.

Aber du konntest sie nicht retten,
weil wir alle dich
und unsere fremden Nächsten im Stich gelassen haben:

unwissentlich – aber nicht ohne zu wissen.

Mache uns fähig zu jener Trauer, die etwas verändert,
in uns und
durch unseren Bürgerwillen
auch in der Praxis der Asylpolitik,
von der Leben, Wohl und Wehe so vieler Menschen abhängen,

und auch dein Segen für unsere Gemeinschaft.

Hassausbrüche gegen Flüchtlinge; u.a. in Heidenau/Sachsen
Brandanschläge gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte, zuletzt in Nauen/Brandenburg

Jeden Tag bist du mit ihnen auf dem Weg gewesen, treuer Gott,
mit den Flüchtlingen, die in unserem Land
eine erste beengte Unterkunft gefunden haben,

so, wie im sächsischen Heidenau.

Erhalte ihnen die Hoffnung auf eine sichere Zuflucht,
auch wenn sie Zeugen wilder Ausbrüche von Fremdenhass werden
wie in Heidenau,

weil viele andere sie willkommen heißen
mit freundlichen, verstehenden Blicken
und wohltuenden Taten.

Wir bitten dich für unsere Landsleute,
die hasserfüllten Verführern nachlaufen:

löse ihre Herzen aus dem Bann der Enttäuschung,
damit sie keine Feindbilder brauchen
um das Leben zu bestehen.
Schärfe unseren Blick
für das Flammenzeichen an der Wand:
die noch unbewohnten brennenden Flüchtlingsunterkünfte,
bereits zwanzig, zuletzt in Nauen/Brandenburg:

damit wir nichts verharmlosen,
sondern die mörderische Gesinnung erkennen

und ihr entgegen treten
in Wort und Tat,

im Vertrauen auf Jesus,
den du gerettet hast für sein Werk
als Kind einer Flüchtlingsfamilie,
die nicht abgewiesen wurde.

Chaotischer Marsch von Flüchtlingen über die sog. West-Balkanroute

Treuer Gott,
wir danken für die Gewissheit,
dass du mit den Gehetzten auf dem Weg bist,
den ungezählten Flüchtlingen,

die in diesen Tagen versuchen,
die Länder der Europäischen Union zu erreichen,
bevor ein gnadenloser Grenzzaun sie aufhält.

Wir bitten um den Geist der Menschlichkeit und der Vernunft
für alle, die bei dieser verzweifelten Hast
durch die Länder des westlichen Balkan
aufeinander stoßen:

die Flüchtlinge selbst,
damit sie spüren, wann das Durchsetzungsvermögen des Stärkeren
an Grenzen stößt,

die Bediensteten der unfreiwilligen Transitstaaten,
besonders von Mazedonien und Serbien,
damit sie ihre eigene Hilflosigkeit
nicht gegen die Wehrlosen wenden.

Mache uns gewiss, dass die gehetzten Flüchtlinge
in den überfüllten Zügen
nicht allein Einlass begehren in die Europäische Union,
sondern du selbst mit ihnen.

Persönliche Belastung der Verantwortlichen für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften

Wir bitten für die Frauen und Männer,
die in diesen Tagen vielerorts in unserem Land
in kürzester Zeit
die Errichtung Unterkünften für Flüchtlingen gewährleisten müssen:

Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung,
Freiwillige von Hilfsorganisationen, Bürgerinitiativen,
Angehörige von Polizei und Bundeswehr
auch Menschen unserer Kirche und ihrer Diakonie.

Für sie alle bitten wir dich
du Gott an unserer Seite,
stärke ihren Verstand und ihre Herzen,
damit sie den Spannungen standzuhalten vermögen,
denen sie ausgesetzt sind,

zwischen den Erwartungen der Schutzbefohlenen,
unverhohlener Fremdenfeindlichkeit mancherorts
und vielen tatsächlichen Engpässen ohne einfachen Ausweg.

Zeige jeder und jedem von uns, den Platz,
an dem wir gebraucht werden,
damit unser Land in die Tat umsetzen vermag,
was Recht ist.

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Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit: Kartoffelbauer Otto überlegt noch

Kartoffelbauer Otto überlegt noch. Soll er etwas ganz Verrücktes machen? Soll er sich im Herbst dem „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ zur UNO-Klimakonferenz in Paris anschließen? Otto ist ehrenamtlicher Gemeinderat seiner Kirchengemeinde in einem Elbtaldorf in Sachsen-Anhalt. Da stolpert man schon mal über solche Empfehlungen. Also, soll er?

Klimawandel – die neue Wirklichkeit zieht herauf

Vor drei Monaten hätte er die Sache noch für eine Schnapsidee gehalten. Das war vor der großen Dürre. Die hat seine Kartoffeläcker inzwischen knietief ausgetrocknet. Die Ernte kümmert in der Erde und wird sich gar nicht oder nur mit heftigen Verlusten vermarkten lassen. Nachbar Heinrich geht es nicht anders. Nur, dass bei ihm der Mais welkt und, halb so hoch wie normal, die dürren Blätter einrollt. Was aus Peters Zuckerrüben werden wird, ist noch sehr ungewiss. Aber die Aussichten für die herbstliche Erntezeit sind nicht gut. Otto und seine Kollegen erleben im Hochsommer 2015 auf staubtrockenen Feldern eine existenzbedrohende Dürre. Schlimm genug! Aber nun klebt an ihrem Unglück Woche für Woche immer zäher das Etikett „Klimawandel“. Quer durch Deutschland, von Bayern bis Brandenburg, zieht sich nach Expertenmeinung eine Zone, in der Dürre und Starkregen einander immer öfter und dauerhaft abwechseln werden. Das einzelne Unglücksjahr, wie 2015, liefert noch keinen Tatsachenbeweis á la „Tatort“. Aber die statistische Häufung extrem regenarmer Sommer beschreibt beängstigend eine heraufziehende völlig veränderte Wirklichkeit.

Gedankenspiele im Dorfkrug

Kartoffelbauer Otto hat mehr als ein mulmiges Gefühl. Im Dorfkrug reden sie über den Klimawandel, ja oder nein. Otto erzählt von dieser christliche Klima-Pilgerei nach Paris. Gut, pilgern ist nicht sein Ding. Aber er könnte ja seinen Traktor anspannen und um Aufmerksamkeit für die vom Klimawandel bedrohten deutschen Bauern werben. Protestierende Bauern auf mächtigen Schleppern, das zieht doch die Kameras an. Ottos Nachbarn haben es nicht mit der Kirche. Aber ihre Sorgen an eine möglichst große Glocke zu hängen, das duldet keinen Aufschub. So wird aus dem Abend im Dorfkrug eine vorläufige Verabredung. Die Nachbarn werden dringende Arbeiten auf Ottos Hof erledigen, während der eine Woche lang Richtung Paris rollt und die Zukunftsängste der Bauern in Deutschlands Klimawandel-Regionen ins Bild setzt.
Bis es so weit ist, wird noch etwas Wasser die Elbe herunter rinnen. Eher rinnen als fließen. Überall von Dresden bis Magdeburg Richtung Norden messen sie im Dürresommer 2015 Tag für Tag penibel die Pegelstände, damit halb beladene Lastschiffe nicht plötzlich im Schatten des Magdeburger Doms eine Zwangspause einlegen müssen. Vielerorts längs des Stromes muss man in den Archiven 50, ja 80 Jahre zurück blättern, um Rinnsale erwähnt zu finden, die diesem unter Klimawandel-Verdacht stehenden Sommer entsprechen.

Ein Platz für Otto – aber nicht nur für Otto

Aber Otto hat ja ohnehin nicht vor, seinen Protesttraktor zu verschiffen. Wenn, dann wird er auf guten Straßen westwärts rollen. Vielleicht sollte er Dortmund ansteuern, sich dort diesem Pilgerweg als Blickfang anschließen. Die Kollegen haben eine ganze Menge fetzige Parolen entworfen, mit denen die Kartoffelfreunde im Westen über die neuartigen Existenzängste der Elbebauern informiert werden sollen. Sie und die Politiker in Berlin und Brüssel. Ist doch wohl klar, dass Otto und seine Kollegen Anspruch auf so was wie Klimawandel-Strukturhilfe anmelden, moralisch und politisch.

Otto, Otto, ich bin gespannt, wie eurer Zusammentreffen verlaufen wird, zwischen dir und diesen notorisch fußläufigen Pilgersleuten für Klimagerechtigkeit. Deine Dieselwolken werden sie kaum mögen. Dem wäre vielleicht noch abzuhelfen, indem man dich an den Schluss der Gruppe verbannt. Weiterlesen

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Fürbittengebet: Persönliche Belastung der Verantwortlichen für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften

Dieser Text ist Teil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

 

Wir bitten für die Frauen und Männer,
die in diesen Tagen vielerorts in unserem Land
in kürzester Zeit
die Errichtung Unterkünften für Flüchtlingen gewährleisten müssen:

Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung,
Freiwillige von Hilfsorganisationen, Bürgerinitiativen,
Angehörige von Polizei und Bundeswehr
auch Menschen unserer Kirche und ihrer Diakonie.

Für sie alle bitten wir dich
du Gott an unserer Seite,
stärke ihren Verstand und ihre Herzen,
damit sie den Spannungen standzuhalten vermögen,
denen sie ausgesetzt sind,

zwischen den Erwartungen der Schutzbefohlenen,
unverhohlener Fremdenfeindlichkeit mancherorts
und vielen tatsächlichen Engpässen ohne einfachen Ausweg.

Zeige jeder und jedem von uns, den Platz,
an dem wir gebraucht werden,
damit unser Land in die Tat umsetzen vermag,
was Recht ist.

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Pilgerweg für Klimagerechtigkeit – dürfen Fleischesser mit?

Bevor es los geht, um unterwegs Ärger zu vermeiden: dürfen sich Fleischesser dem „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ zur UNO-Klimakonferenz in Paris anschließen?

Die ökumenische Zulassungskommission wird sich sinnvoller weise an die geniale Leitfrage halten „Was würde Jesus dazu sagen?“ Wäre der Fleisch- und Fischesser Jesus von Nazareth heute Vegetarier, gar Veganer? Die Meinungen darüber gehen ganz gewiss auch unter erklärten Christenmenschen auseinander. Nicht zuletzt dann, wenn wir mit „ökumenisch“ nicht nur unsere einheimische historische Kirchenfamilie meinen, sondern tatsächlich unsere Weltkirche mit ihren unvermeidlich sehr verschiedenen Lebenserfahrungen und Herausforderungen. Wäre es für Bekenntnis-Vegetarier wirklich unvorstellbar, dass dieser Jesus z.B. das Ehrengast-Hühnchen einer indischen Kleinbauernfamilie würdigen, aber das Turbo-Masthähnchen aus unserer tierquälerischen industriellen Tierfabrik zurückweisen würde?
Nun ja, die Zulassungskommission wird ohnehin nicht zusammentreten- und fällige Entscheidungen unseren Streitgesprächen, unserem Gewissen, unserer Einsicht überlassen.

Die vertrackte Currywurst

Da erreichen die für „Klimagerechtigkeit“ pilgernden Christenmenschen also ihre Mittagsstation. Der Marktplatz lädt zur Rast ein, auch weil er gut mit allerlei Imbissangeboten bestückt ist. In der Wolle gefärbte Ruhrgebietler zieht es fast von allein an die Currywurst-Buden. Das ist Lebensart, wenn nicht sogar Kult. Auch ich habe ihm gefrönt, so lange ich dort zu Hause war.
Aber es hilft alles nichts. Deutsche Currywürste stammen nun mal von deutschen Turboschweinen, auf den Tag genau aufs Schlachtgewicht gepäppelt mit der Eiweiß-Wunderpflanze Soja. Vier Millionen Tonnen davon gingen 2014 durch deutsche Viehmägen. Fast alles kam aus Brasilien, Paraguay und den USA. Veredelung wird das genannt, wenn das hochwertige menschliche Nahrungsmittel Soja in den automatischen Viehfütterungsanlagen landet. Für jede Kalorie Currywurst muss das Mehrfache an Soja verfüttert werden.
Die riesigen Sojaplantagen in Brasilien sind aus den Amazonaswäldern heraus gehauen worden, die das Weltklima stützen. Für alle Kahlschläge vor 2006 gilt heute in Brasilien ein politisches „Schwamm drüber!“ Aber der Schaden ist angerichtet. Currywurst vom Sojaschwein, da wird Klimagerechtigkeit leider verfehlt.
Was tun? Sich auf dem Weg nach Paris eine schlimme Tatsache eingestehen, auch wenn sie gleichsam unser regionales kulturelles Erbe in Frage stellt? Aber vielleicht hat da ja ein Currywurst-Fan in seiner Kühltasche ein paar Bio-Würstchen aus sorgfältig zertifizierter Tierhaltung dabei. Da ist durch den Schweinemagen nur gegangen, was da auch hinein gehört, und den Geschöpfen sind viele schlimme Qualen erspart geblieben. Ein Grill wird sich bei freundlichen Quartiergebern schon finden.

Methanfürze als Totschlagargument

Die Methanfürze, die Rinder unvermeidlich von sich geben, haben sich zu einem prächtigen Totschlagargument entwickelt im Munde vieler, die den von Menschen gemachten Klimawandel leugnen. Wozu sich noch den Kopf zerbrechen um CO2-geschuldeten globalen Temperaturanstieg, wenn das Rindvieh ungestraft viel größeren Schaden anrichtet?
Dabei stehen die Methanbilanzen von Kleinbauernrindern in Kenia oder Pakistan, die ihr Leben lang Gras und pflanzliche Abfälle fressen auf einen völlig anderen Blatt, als diejenigen der bedauernswerten Artgenossen in unseren Tierfabriken, die auf artfremdes Soja-Kraftfutter zwangsabonniert sind, egal, ob sie zur Mast oder zu Milchrekorden getrieben werden sollen.
Einzelheiten dazu sind für Lernwillige nur ein paar Klicks entfernt.
Die Verlustrate an vollwertigen pflanzlichen Kalorien ist bei der „Veredlung“ zu Soja-Rindfleich aus biologischen Gründen deutlich ungünstiger als beim Schwein. Außerdem zielt illegaler Kahlschlag in Amazonien nicht nur auf Sojaanbau. Ehemaliger Wald eignet sich wenige Jahre lang auch als Rinderweide. „Beef sells“ in den Steakhäusern in unserem Teil der Welt.
Auch ein Christenmensch, der zu Hause Kunde einer ordentlich zertifizierte Biometzgerei ist, wird auf dem Weg nach Paris um manches gastronomische Angebot einen Bogen machen müssen.
Ob preiswertes Rindergulasch um die Ecke oder Jungbullen-Steak der 20.- €-Kategorie: bei der Frage nach Klimagerechtigkeit bleibt da mehr als ein Geschmäckle auf der Zunge. Aber morgen früh, eh es weiter geht, ist im Bioladen neben der Kirche bestimmt eine gute Flasche klimagerechte Milch zu haben.

Hähnchenbraterei – kein Teil der Pilgerlogistik

Bleibt das dritte Qualprodukt unserer Soja-basierten industrialisierten Tierproduktion, die Mast- und Legehühner.
In unserer häuslichen Gefriertruhe lagern meist für besondere Familienanlässe ein, zwei Brathühner mit starkem Knochenskeletten, die zu Lebzeiten mühelos einen stattlichen Körper tragen konnten. Alte Zuchtlinien, die heute von Bio-Bauern als Alternative zu den unerträglich anzusehenden Turbohühnchen wieder angeboten werden. Der Preis führt fast von allein dazu, dass so eine Delikatesse nur wenige Male im Jahr auf den Tisch kommt.
Klar ist damit aber auch, dass die Hähnchenbraterei auf dem Weg nach Paris als Teil der Pilgerlogistik ausfällt. Was da an den Spießen steckt, ist mit erbarmungsloser Soja-Diät durch seine 36 Lebenstage gepresst worden. Das Hühnern fremde Futter mag diesmal nicht aus der Erde Amazoniens stammen oder von zusammengerafftem ehemaligen Kleinbauernland in Paraguay. Stattdessen liefern diesmal die riesigen Soja-Monokulturen in den USA. Sie befeuern den Pestizid-Weltmarkt wie sonst nichts. Fatale Kreisläufe sind längst losgetreten. Am Ende stehen messbare Klimaschäden.
Hätten westafrikanische Hühnerzüchterinnen mit ihren Alarmruf „Keine Chicken schicken“ den irren Hühnerfleisch-Weltmarkt nicht längst zu einer ökumenischen Gerechtigkeitsfrage ausgerufen – die Klimafolgen der kaum von Fruchtwechsel unterbrochenen Soja-Monokulturen müssten uns aus einer anderen Richtung alarmieren. Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung sind eben nicht voneinander zu trennen.
Bei einem hart gekochten Frühstücksei aus dem Bioladen am Wege können wir uns ja weiter darüber unterhalten. Die Grazie und die Würde einer zufriedenen Bio-Henne ließe ich mir aber auch von einem veganen Mitpilger kaum ausreden. Außerdem, in meiner Kindheit waren alle Hennen „bio“, ohne es zu ahnen, samt ihrem Hahn, der es Dank der Warnung Jesu an seinen Petrus immerhin auf viele unserer Kirchtürme gebracht hat.

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Bio-fairer Handel: Die Botschaft der Umsatzzahlen 1974; 2014

1974: 10.000 DM Monatsumsatz…

Ob unser WELTMARKT, einer der ersten ehrenamtlich betriebenen „Dritte-Welt-Läden“ – so sagte man damals – jemalsCoffee beans being sorted and pulped, Lizenz CC-BY-SA 2.0, Quelle: Wikimedia commons, User:Quadell einen Monatsumsatz von 10.000 DM erreicht hat, weiß ich nicht mehr. Wenn überhaupt, dann in der heißen Startphase um 1974/75. Die Idee „Fairer/Gerechter Handel statt Almosen“ war in Deutsch-West damals so unverbraucht und gerade fernab der Universitäten so populär, dass auch der allererste Dritte-Welt-Laden in einer ausgesprochenen Arbeiterstadt, Herne im Ruhrgebiet, zum Erfolg verurteilt war. Weiterlesen

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Eine wunderschöne Absichtserklärung: UNO-Entwicklungsziel Nr. 13

Logo_of_the_United_Nations_Conference_on_Sustainable_DevelopmentMir will scheinen, es ist vor allem freundliche Ironie, mit der Engagierte und Sachkundige die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen für die Jahre 2016-2030 begrüßen. Eine Welt, in der diese siebzehn hehren Ziele Wirklichkeit geworden wären, ließe ja wirklich kaum Wünsche offen, menschenrechtlich, friedenspolitisch, ökologisch. Dabei wissen alle, aufmerksame BürgerInnen eingeschlossen, dass da eine wunderschöne Absichtserklärung das Licht der Welt erblickt hat, nicht weniger als das, aber eben auch nicht mehr.
Eine ordentliche politische Allgemeinbildung reicht schon aus, um darauf zu wetten, dass es im September bei der feierlichen Ratifizierung der Ziele nicht eines geben wird, bei dem nicht etliche Regierungen ihren stillen Vorbehalt geltend machen werden; nicht viel seriöser als wir spielenden Kinder, wenn wir ein großes Ehrenwort mit dem Blitzableiter-Trick auszutricksen versuchten.

Beispielsweise kann ich mir bis jetzt nicht vorstellen, dass sich EU und deutsche Regierungen dem Ziel Nummer acht konsequent verschreiben werden: „Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Jobs fördern.“ Das ginge ja wohl nur, wenn sie ihre Export-Subventionspolitik und andere Druckmittel ungenutzt ließen, mit denen sie afrikanische Agrarmärkte zu Lasten afrikanischer Bäuerinnen erobern.

Aber vielleicht entpuppt sich das Ziel Nr. 13 ja als die große Ausnahme: „Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen.“ Ob noch eine einzige der 193 UN-Mitgliedsstaaten-Regierungen die Dreistigkeit besitzt, vor aller Welt als Klimawandel-Leugner zu posieren, weiß ich nicht – vernunftwidrige verbale Keulenschläge in Wahlkämpfen und persönliche Ignoranz von Machthabern natürlich zugestanden.
Die Zeitvorgabe „sofort“ legt sich nahe, weil das viel beschworene Zwei-Grad-Ziel von der weltweiten Community der Klimaforschenden eigentlich schon ad acta gelegt ist. Nicht mehr als zwei Grad Erderwärmung im Verlauf des 21. Jahrhunderts, gemessen an den Werten vor der globalen Industrialisierung, das ist bei dem tatsächlichen Schneckentempo ergebnisorientierter Klimapolitik schon nicht mehr erreichbar, sagen sie.

Weil nicht sein soll, was nicht sein darf, bleibt das Zwei-Grad-Ziel aber offiziell in Kraft. Das „sofort“ im Ziel Nr. 13 ist der ziemlich angeschlagenen Glaubwürdigkeit geschuldet. Weiterlesen

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Fürbittengebet: UNO: Nachhaltige Entwicklungsziele 2016-2030

Dieser Text ist Bestandteil des wöchentlichen Fürbittendienstes zum Zeitgeschehen der Aktion „Brot für die Welt“ und des Eine Welt-Zentrums in Herne, NRW

 

Du hast uns allen gemeinsam
deine Welt anvertraut,

darum bitten wir für die vielen Millionen Menschen,

die sich bis zum Jahr 2030 in aller Welt
und auch in unserem Land einsetzen werden
für die Verwirklichung der neu definierten
Entwicklungsziele der Vereinten Nationen:

Politiker, Fachleute, Frauen und Männer im Bildungswesen, in den Medien,
in Bürgerinitiativen, in den Vereinigungen der Armen und Unterdrückten,
in den Gebetshäusern der Menschheit,
in unseren Schwesterkirchen in aller Welt:

segne diese Millionen mit Ehrlichkeit und Mut,

damit Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung
so oft wie möglich den Sieg erringen
in den heftigen Interessenkonflikten zwischen Macht und Menschlichkeit;

damit aus den hoffnungsvollen Absichtserklärungen dieser Tage
so oft wie möglich Einsicht, Einvernehmen und Recht erwachsen;

damit es diesen Millionen von Wegbereitern gelingt,
aus dem Milliarden-Volk der Erdenbürger
so viele wie nur möglich für eine Welt zu gewinnen,
in der sich Hoffnung ausbreitet,
weil das Recht der Stärkeren überwunden wird.

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15.000 Generationen legen zusammen – für eine einzige!

Rechnen wir mal konservativ. Schließlich bin ich nicht vom Fach und möchte mir nicht nachsagen lassen, dass ich mit umstrittenen Zahlen Stimmung mache. Konservativ, jenseits der Streits der Fachgelehrten bleibe ich, wenn ich behaupte, dass wir Menschen das Feuer seit mindestens 450.000 Jahren aktiv nutzen und beherrschen. Geteilt durch 30 Jahre, die durchschnittliche Zeitspannen einer Generation unserer langlebigen Spezies, macht das 15.000 mal Mutter-Tochter, Vater-Sohn.
15.000 Generationen aktiver Feueranzünder, also Energienutzer von einer Art, wie sie sich keine andere hochentwickelte Tierart zu eigen gemacht hat.
15.000 Generationen, diese Zahl macht etwas anschaulicher, was Klimaforscher uns unter die Nase reiben: in der nächsten Generation bis zur Jahrhundertmitte wird der Energiebedarf/Energieverbrauch der 7 bis 10-Milliarden-Menschheit so hoch ausfallen, wie der in der gesamten bisherigen Menscheitsgeschichte zusammen. Dabei habe ich – siehe oben – im Rechenexempel die Menschheitsgeschichte grob verkürzt auf jene Periode, in der wir unstrittig Feueranzünder waren, uns also des nachwachsenden Rohstoffes Holz bedient haben.

Die frühen Feuer der Menschheit waren Brutstätten zukunftsfähiger Technologien, die sich zu Kulturen zusammenfügten. Dass sie während der frühen Jahrhunderttausende den Energieträger Holz im Bestand gefährdet hätten, ist eher unwahrscheinlich – anders als in der jüngsten Vergangenheit vor wenigen tausend Jahren, als Bauherren und Seefahrer die Wälder rund um das Mittelmeer abholzen ließen.
An den frühen Feuern machten sich die Alten mit den Jahrtausenden andere Energieträger zunutze, etwas die Felle ihrer Jagdbeute. Auch die nachwachsend, solange die Arten den Jagddruck durch Neandertaler und viel später den Homo sapiens ertrugen.

Die Siebenmeilen-Stiefel unserer Geschichte führen uns in die kürzlichen Jahrtausende, in denen wir nach und nach Energieträger für Landwirtschaft, Transport und technische Innovationen gewonnen haben; Zug- und Reittiere, Wind- und Wasser-gestützte Technologien. Die frühe Metallurgie wurden möglich. Das alles mit einem Input, der die Welt der „Erneuerbaren“ so gut wie nie je verließ. Niemand kann wissen, wann und wo frühe Menschen erstmals einen oberirdischen Kohlebrocken als fossile nicht erneuerbare Energiequelle genutzt haben. Wenn, dann blieb es Episode bis in unser Mittelalter. Unsere Ahnen waren Ökos, ohne es zu wissen und zu wollen.

Machen wir es kurz. Noch zu Zeiten von Christoph Kolumbus und Martin Luther hat beim besten Willen niemand ahnen können, dass sich AD 2015 rechnerisch dieser irre Energiebedarf für die nächste menschliche Generation abzeichnen würde: 15.000 Generationen müssten zusammen legen für eine einzige. Weiterlesen

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Atomwaffen 70 Jahre nach Hiroshima Zurück zu Adenauers „Artillerie“ ?

2. August 2015. Ein Sonntag mit seinen politischen Schlagzeilen und Sportmeldungen; Urlaubszeit, sonst nichts Aufregendes. Der 2. August 1945, 70 Jahre früher, war einer dieser Tage, die uns den Vergleich „vorher – nachher“ aufdrängen.

Am 2. August 1945, als wir befreiten und besiegten Deutschen durch unsere Trümmerwüsten stolperten, tobte im Pazifik noch der von Hass, Fanatismus und Rachedurst genährte Krieg gegen den inzwischen nahezu wehrlosen japanischen Aggressor.

Aber in der Vorstellungswelt der Völker existierte eines noch nicht, die Atombombe. Auf dem riesigen Flugplatz auf der Marianeninsel Tinian war zwar alles bereit. Staatsspitze und Militärs der längst feststehenden Siegermacht USA kannte ihre Option, seit dem Trinitity-Test, – „Tritity“ für das christliche Bekenntnis zur göttlichen Dreifaltigkeit – am 16. Juli 1945, 5:29h in der Wüste von Neu-Mexiko. Aber was eine Machtelite und ihre Ausführenden wussten, hatte noch nicht die Herzen der Menschen erfasst und für alle Zeiten und kommenden Generationen mit einem Brandmal versehen. Vier Tage Ahnungslosigkeit blieben noch für die Opfer in Hiroshima, sieben für Nagasaki. Wenige Tage, die schon nichts mehr änderten; die wir doch unwillkürlich einem anderen Zeitalter zurechnen, in das kein Weg zurück führt.

Überlebende aus Hiroshima haben Worte dafür gefunden, wie sie in Sekunden aus dem normalem Kriegsalltag in ihrer Stadt in eine andere entsetzliche Wirklichkeit gerissen wurden.

Weil nach Hiroshima und Nagasaki keines Menschen Herz die Angst von solchen Sekunden ertragen kann, haben sich verschiedene politische Verantwortungsträger aus den USA dazu bekannt, dass sie ihre eigenen Familien nicht alarmiert haben, als Überwachungsdaten auf einen möglicherweise in Minutenfrist drohenden Atomkrieg hindeuteten. Mehrfach ist das vorgekommen.
Wir leben, weil diese absurde Zwischenfallliste bisher nicht zum finalen Missverständnis geführt hat. Wir leben nur deshalb nicht im Irrenhaus, weil über die Realität menschlicher Irrtumsanfälligkeit ein globales Tarnnetz gebreitet ist, von allen Atomkriegspraktikern sorgsam festgezurrt. Wir leben nach dem 6. August 2015!

Nach dem 9.August 1945, nach dem Abwurf von „Little Boy“ auf Hiroshima und „Fat Man“ auf Nagasaki, waren die auf Erden vorhandenen Bombenvorräte zunächst weitgehend aufgebraucht. Heute morgen, am 2. August 2015, befinden sich etwa 1.300 Bomben im Status augenblicklicher Einsatzbereitschaft, auf den stationären und mobilen Basen der aktuellen Atommächte. Weitere 3.000 Monster modernster Bauart könnten direkt aus den Arsenalen nachgeschoben werden. Wäre danach noch jemand übrig, der weiteren Bedarf hätte, könnte er sich aus reichlich 10.000 etwas angejahrten Modellen bedienen. Weiterlesen

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Hungerblockade – diesmal im Jemen

Die Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation OXFAM hat einen guten Ruf zu verlieren. Deshalb unterstelle ich, dass die Freunde nicht um der puren Schlagzeile willen davon sprechen, dass die kriegsbedingte Hungerblockade im Jemen inzwischen nahezu die Hälfte der Bevölkerung der Gefahr des Hungertodes aussetzt. Die schon zu normalen Zeiten gegebene Abhängigkeit der Menschen von massiven Nahrungsmittelimporten ist jedenfalls eine international bekannte Tatsache.

Wenige Monate Luft- und Bodenkrieg, vom sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran in das Land am Südrand der arabischen Halbinsel hinein getragen, genügen jetzt, um das Schreckgespenst des wahllosen Hungertodes Ungezählter herauf zu beschwören – als Kollateralschaden eines wütenden religiös verbrämten Hegemonial-Krieges.

Ehe andere es tun, erinnern wir uns besser selber: unter dem Hakenkreuz war der gewollte Hungertod von Millionen Bestandteil des Vernichtungskrieges. Der Name Leningrad steht für viele andere.

Um so unvergesslicher, dass meine Kindergeneration nach 1945 nicht nur durch strenge Verwaltung des Mangels seitens der Siegermächte, sondern auch durch die freie Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, denen das Entsetzen über Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen noch in den Seelen steckte, vor bleibendem Schaden bewahrt worden ist. Niemand konnte sie zwingen, Care-Pakete und Schulspeisungen zu bezahlen. Sie taten es einfach.

Hungerblockade als Mittel der Kriegsführung: zu einer unabweisbaren persönlichen Herausforderung wurde das für mich während des Biafra-Krieges in Nigeria 1968. Das Entzücken über meinen properen ersten kleinen Sohn und die unerträglichen Bilder vom Leiden der Kinder im Hungerkessel waren einfach nicht zusammen zu bringen. Weiterlesen

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